Buhl kehrt ohne Edelmetall heim. Größte Niederlage?

Buhl kehrt ohne Edelmetall heim. Größte Niederlage?

"Zu viele Fragezeichen im Kopf"! – Aber Warum? Und ...?

Rio de Janeiro und die Olympischen Spiele 2016. Ein deutscher Laser-Segler, ein Kaliber, wie Deutschland über Jahrzehnte kein höherwertiges vorzuweisen hatte. Wie konnte es soweit kommen, dass dieser Athlet in seiner Top-Form und in mitten seiner besten Jahren folgert: „Ich bin megaenttäuscht von mir. Der Schuldige bin alleine ich.“
Nein Philipp! Dein bekanntermaßen hart mit dir selbst ins Gericht Gehen in Ehren. Aber diese Feststellung ist unangemessen schonungslos gegenüber dir selbst. Sie ist auch zu einfach und zielte als zu eindimensional an der Realität vorbei.
 
((Rio de Janeiro, Brasilien, 22.08.2016 -- Text ©: Friedl Buhl, Bilder ©: Sailing Energy)
 
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Der Sündenbock trifft nicht den Kern
Warum? - Nach jahrelanger Leistungseinbringung eines Teams kann nicht plötzlich ein Einzelner komplett schuld sein. Allein schuld, einfach nur, weil er während des Wettkampfes allein handelt? Nein! So wenig, wie ein Fußballspieler der allein Schuldige eines verlorenen Spiels ist und auch nicht sein darf, weil er im Elfmeterschießen nicht trifft. Hier muss gerechter Weise mehr hinterfragt werden. Die Sündenbock-Gangart wäre evtl. nachhaltig belastend und nächstens nicht lehrreich.
 
Fragezeichen nicht nur im Kopf des Athleten
Deutschlands zweifacher Segler des Jahres stellte ferner fest: "Ich hatte einfach zu viele Fragezeichen im Kopf." Das mag wohl zutreffen. Dies war vermutlich für den zuvor amtierenden Vize-Europameister und Vize-Weltmeister von 2015 bereits ein Problem bei der Verteidigung oder Verbesserung dieser Positionen in diesem Jahr. Die schwierige Guanabara Bay und diese im Zusammenhang auch noch mit Olympia wirkte wahrscheinlich als Verstärker für nicht ausreichend klar kanalisierte Restzweifel.

Den zu vielen „ ... Fragezeichen im Kopf.“ sind unweigerlich weitere hinzuzufügen:
Warum dieser Zustand? Warum gerade beim größten und wichtigsten Segelevent so dominant? Wurde diese labile mentale Komponente beim Athleten von externer Seite überhaupt und ggf. nicht rechtzeitig erkannt und / oder in ihrer Wirkung unterschätzt? Warum jedenfalls konnte die Gegebenheit nicht effektiv helfend ausgesteuert werden? Alles weitere Fragen, die mit denen im Kopf des Wettkämpfenden ursächlich verknüpft sind. Fragen, die es natürlich umfassend und richtig zu beantworten gilt – usw.

Olympia-Leistung anders und würdig beleuchtet?
Philipps klar und mutig öffentlich formuliertes Ziel war eine Medaille. „Ich will nicht nur Olympiateilnehmer sein.“, sagte er. Obwohl dies bereits für sich ein hohes und erreichtes Ziel darstellt, auf das er stolz sein kann. Schließlich wird beim Segeln nur der Beste pro Nation und Disziplin bei zusätzlichem Überwinden der hohen nationalen Hürden nominiert.
Mit Philipps sehr hohem aber keineswegs vermessenem Medaillen-Ziel hängt gewiss auch die jetzt so große Enttäuschung über den 14. Platz zusammen. Speziell in der bekanntermaßen äußerst leistungsverdichteten Laser-Klasse mit über zehn potentiellen Medaillisten kann jeder Spitzenathlet schnell aus den Top Ten fliegen, ganz zu schweigen aus den Medaillenrängen. Ein Segler, der nahezu alle Regatten und Wettfahrten dominiert, ist im Laser über langen Zeitraum nicht mehr zu finden und auch künftig schwer vorstellbar. Das Hochleistungsniveau scheint also auf einem Plateau angekommen zu sein. Folglich entscheiden hier schon kleinere Unzulänglichkeiten enorm viel.

Und warum sollte man einen 14. Platz unter 46 Teilnehmer-Nationen nicht auch einmal relativiert betrachten, um schlicht die Enttäuschung etwas zu normalisieren: In vier von zehn olympischen Segel-Klassen sind im Vergleich nur 20 Nationen am Start (Durchschnittswert bei 25, beim Laser bei überragenden 46 Nationen). Ein 14. Rang entspricht im relativierten Vergleich immerhin einem ordentlichen Platzierung unter den besten Zehn (7. ... 8.). Und dies schließlich inklusiv der Chance, auch im Finale mit Doppelwirkung nochmals voll zupacken zu können.
Dies macht deutlich: Ein 14. Platz in der härtesten olympischen Segelklasse ist objektiv betrachtet gewiss kein sehr guter Erfolg, aber keine Extrem-Niederlage und auch kein Grund für eine „Megaenttäuschung“. Subjektiv und im Zuge der frischen Schmerzempfindung wurde es von Philipp verständlicher Weise etwas dramatischer gesehen.

Und vergessen wir im Medaillen-Fokusierrausch nicht Philipps überragende seglerischen Leistungen - trotz einem 14. am Schluss: Dazu zählt ein Wettfahrtsieg, was nur sieben der zehn Bestplatzierten genau auch einmal gelungen ist, wozu der Goldmedaillengewinner übrigens gar nicht zählt. Sehr beachtlich waren auch Philipps faszinierende, manchmal schier unglaublichen Aufholjagden, wenn die Rennen beim Start und über die Startkreuz für einen Spitzenplatz nicht gut genug verliefen.

Rückschau und Ausblick
Philipp, nehmen wir an, dass Du aufgrund der neuen Erfahrungen und richtigen Folgemaßnahmen daraus an die künftig großen Dinge – was übrigens nicht nur Olympia betrifft - gestärkt und mit noch vollständigerer Abgeklärtheit herangehst. Dann könnte seine Karriere erst noch so richtig zu gipfeln beginnen.
Es erwachen Erinnerung an die ISAF-WM 2011 in Perth (Australien), Qualifikationsendstufe für die Spiele 2012: Philipp hatte das Olympiaticket verfehlt. Dies empfand er als seine bis dahin größte Niederlage. Er konnte damals sein prinzipiell ausreichendes Können nicht voll abrufen. Die hieraus gezogenen Erfahrungen haben ihn offensichtlich weiter nach oben getragen. Für 2016 gelang dem zwischenzeitlich mehrfachen Weltcupsieger die Olympiaausscheidung traumhaft souverän. So gut, wie weltweit keinem anderen Laser-Segler: Die drei Kriterien-Wettkämpfe belegte der Allgäuer bekanntlich mit einem Vize-Weltmeister, Vize-Europameister und einem Weltcupsieg. Besser ließe es sich nur erträumen.

Vielleicht lassen sich für die künftigen Top-Ziele wie beispielsweise WM und nicht zuletzt die aus heutiger Sicht noch fernen Spiele in Tokio die gewonnenen Erfahrungen ebenso perfekt in Top-Erfolg ummünzen. Es ist Philipp Buhl gut und fraglos zuzutrauen.

 
Links zu diesem Event:
Bericht des SegelReporter in segelreporter.com, 14.08.2016, Andreas Kling
Bericht der YACHT in yacht.de, 14.08.2016, Tatjana Pokorny
Erlebnisbericht zu Philipps Olympia-Finish: "Im Kreis geheult", 19.08.2016, Angela Buhl
 

 

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