Kieler Woche - Philipp Buhl: Bin bereit !

Beachtliche Herausforderung in Kiel - auch auf der Weltcup-Vorstufe

(Vorspann- und Tagesberichte: Zuletzt aktualisiert am So., 25.06.2017)

1. Tag: Gute erste Wettfahrt, aber Patzer danach ! >>>
2. Tag: Mit dem Ergebnis sehr zufrieden, nicht mit dem Wind >>>
3. Tag: Sau stark gekämpft und super gesegelt und ... >>>
4. Tag: Im Goldfleet gute Ausgangsposition verteidigt >>>
5. Tag: Ein Abschluss zum Weinen >>>  (ENDE der Regatta)

(Kiel (Deutschland), 21./25.06.2017 -- Text ©: Von Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))

„Aller guten Dinge sind drei." Die Urbedeutung des bekannten Sprichwortes ist nicht verlässlich zu klären. Dementsprechend wird es recht individuell gebraucht. Für den frischgebackenen Silbermedaillengewinner von Santander (Weltcup-Finale) Philipp Buhl  verband sich der Spruch im Jahre 2014 mit einem außergewöhnlichen Erfolg, einem Hattrick bei der Kieler Woche-Regatta. Damals stand er zum dritten Male in Serie auf dem Sieger-Podestplatz. Und so, als wäre die Drei im Sinne „… aller guten Dinge …“ ihm noch nicht gut genug, ermochte der Allgäuer im Vorjahr vor der Abreise zu den Olympischen Spielen noch einen vierten Sieg bei Deutschlands namhaftester Regatta draufzupacken. Was die olympischen Klassen im Rahmen der Kieler Woche betrifft, dürfte dies zuvor kein Segler geschafft haben. Jedenfalls kein Deutscher. Damit hat Philipp für Kiel und unsere Nation im Segelsport bereits Geschichte geschrieben.

Für einen wie ihn, einen in seiner Diziplin immer weiter nach oben Strebenden, ist es zwischenzeitlich wie selbstverständlich und aufgrund der in Kiel bereits geerneten Erfolge irgendwie logisch, diese weltgrößte Regatta auf der Ostsee erneut golden zu beenden. Nicht, dass er es auf das Quintett der Goldmedaillen primär abgesehen hätte. Nein! Es geht ihm schlicht und einfach um ein erneutes sich Messen mit der Konkurrenz. Um einen Wettkampf, den er bestmöglich und voll zufriedenstellend und schließlich am liebsten als Bester bestehen will.

Die Konkurrenz in der traditionell sehr umfangreich besetzten Laser-Klasse platzt mit über 154 Meldungen aus 39 Nationen schier aus allen Nähten. Da diese Regatta zwar auf das Maximung für eine Teilung in drei Flotten auf rund 150 begrenzt ist, andererseits ein Open Event (ohne Qualifizierung wie etwa im Weltcup) darstellt, kommt der Nachwuchs voll zum Zuge. Ihr Leistungslevel ist nicht zu unterschätzen. Vor allem in den olympischen Klassen und besonders in der sehr sportlichen und gleichzeitig technisch vergleichsweise einfach ausgestatteten Einheitsklasse Laser gibt es weltweit eine sehr lebhafte Auffrischung durch neue junge und in die Segler, welche in die nationalen und internationalen Spitzengruppen aufstreben.
In dieser Hinsicht ist etwa die 14-köpfige deutsche Teilnehmerschaft recht erfreulich. Darunter auch Philipps Trainingspartner Theodor Bauer. Aufgrund einer Knieverletzung nicht am Start ist Nik Aaron Willim (ebenso Trainingspartner von Philipp). Für die Deutschen dürfte es ein ganz besonderer Ansporn sein, im Heimwettkampf gegen ihre Leitfigur und Weltklasse-Segler Philipp Buhl anzutreten.

 

Tagesberichte und Infos zur Regatta

1. Tag (Mi., 21.06.), Opening Races 1 und 2

Gute erste Wettfahrt, aber Patzer danach !

Keinen angemessenen Beginn der sechsteiligen Openingserie hat Philipp Buhl vorgelegt. In der ersten Wettfahrt klappte alles einwandfrei. Er segelt letztgestarteten Fleet und beendet auf Rang drei.

Dem folgte ein langwieriges Abwarten, weil der leichte Wind noch mehr schwächelte. Die zunehmende Landthermik würgte schließlich die smarte Gradientbrise ab und entwickelte eine neue Windströmung aus über 90° weiter von rechts. Von dieser prinzipiell typischen aber leider nur leichten bis teils zum Wettsegeln fast schon zu schwachen Seabreeze war wohl wohl kaum ein Seger begeistert. Zu wahrscheinlich pendeln sich schweinische Windsituationen ins Geschehen.

Mit einem gelungenen Start segelt Philipp auf die Startkreuz. Doch die vermeintlich günstigere Seite erwies sich als die schlechtere. „Das war etwas unglücklich. Zur Ursache ließ sich eigentlich nichts Klares feststellen.“, kommentierte der Allgäuer. Es reichte für ihn in dieser Wettfahrt nur zum 19. Platz. Und schließlich zum 26. in der vorläufigen Zwischenbilanz.

Ergebnisse nach 2 Wettfahrten


2. Tag (Do., 22.06.), Opening Race 3

Mit dem Ergebnis sehr zufrieden, nicht mit dem Wind

Der Wind wehte heute höchst unausgeglichen. Zunächst Regen und kräftigen, teils starken Wind. Philipp belegt in dieser ersten Tageswettfahrt den zweiten Platz.

Danach brach der Wind zusammen und ließ geduldfordernd auf sich warten. Eines der drei Laser-Fleets brachte das Rennen nicht mehr ins Ziel. Aus den geplanten drei Rennen konnte die Wettfahrtleitung nur für zwei Fleets lediglich eine Wettfahrt realisieren.

In der Zwischenwertung rückte Philipp auf den dritten Rang von.


3. Tag (Fr., 23.06.), Opening Race 4 bis 6

Sau stark gekämpft und super gesegelt und …

… gezeigt, wo Barth'l den Most holt.

Gradientwind der Stärke 5 bis 6 Beaufort bot der Wettergott heute den Laser-Athleten auf der 10 km vom Olympiahafen liegenden Regattabahn CHARLY.  Bedingungen, unter denen nach den drei bzw. teils vier langen Wettfahrten alle Segler mehr oder weniger ihre körperlichen Leistungsgrenzen schmerzlich zu spüren bekamen.

GST170843426 2Keiner meisterte heute die Herausforderung so überzeugend wie Philipp. Und besser ist es schlicht auch gar nicht möglich. Denn in drei Wettfahrten segelt der Weltranglistenerste des nicht nur zum gesamt Tagesbesten, sondern dreimal zum Sieg.

Im Verlaufe der ersten beiden Wettfahrten, kommt es zu mehreren Positionswechseln unter der Führungsgruppe, die sich vom Feld jeweils zunehmend absetzt. Bei der ersten Wettfahrt rundet Philipp als Vierter mit lediglich etwa vier Bootslängen Rückstand zum Führenden. Auf den folgenden zwei Vorwindkursen und der zweiten Kreuz kann er sich dann jeweils gegen seine härtesten Konkurrenten durchsetzen und schließlich die Bestzeit verbuchen.

In der dritten Wettfahrt gelingt dem Allgäuer zur Krönung des Tages noch ein Start-Ziel-Sieg. Mit dieser hervorragenden Tagesleistung qualiziert er sich als Zweitbester für das Goldfleet. Einen Punkt besser ist Enrique Arathon (El Salvador). Auf dritter Gesamtposition liegt Karl-Martin Rammo (Estland) vor Hermann Thomasgaard (Norwegen) und Francesco Marrai (Italien).

Da gemäß Plansoll noch zwei Rennen fehlen, hat die Wettfahrtleitung für morgen drei Bewerbe angesetzt.

Ergebnisse nach 6 Wettfahrten


4. Tag (Sa., 24.06.), Finale Races 1 bis 3 (gesamt 7 bis 9)

Im Goldfleet gute Ausgangsposition verteidigt

Im Goldfleet (bestes Drittel der insgesamt 132 Teilnehmer) steigt naturgemäß die Leistungsdichte erheblich an.

Mit einer rundum gelungenen ersten Wettfahrt verbucht Philipp einem Start-Ziel-Sieg und baut damit die 1. Platz-Serie des Vortages auf vier auf.

In der Zweiten Wettfahrt beendet er mit dem vierten Platz. Strichweiser Regen und den damit einhergehenden Einflss auf Windstärke und –richtung machte es in beiden Wettfahrten schwierig, auf den Kreuzkursen einen schnellen Pfad zu finden.

Der mittlere bis kräftige Wind hielt an, Regen zog sich zurück, aber irgendwie braute sich eine Windschere zusammen. Nach gutem Start und anschließender mittiger Feldkontrolle muss Philipp auf der Startkreuz die Schnellsten von beiden Kursseiten an sich vorbeiziehen lassen. Er rundet als nur Zwölfter. Auf dem anschließenden Vorwindkurs verliert er nochmals mehrere Positionen.

Dann aber schien Philipp den Wind durchschaut zu haben. Er holt vor allem auf der zweiten Kreuz und auch noch auf dem letzten Downwindkurs etwa zehn Boote wieder ein. Am Schluss reicht ihm die Aufholaktion zu einer sehr zufriedenstellenden Schadenbegrenzung auf dem neunten Rang.

In der Schlusswertung der neun Fleetraces verteidigt Philipp trotz des unschönen letzten Resultats den zweiten Rang. Nach der vorletzten Wettfahrt hatte er kurzfristig die Führung übernommen. In der Zwischenwertung vor dem morgigen Finale liegt Karl-Martin Rammo (Estland) mit vier Punkten in Führung. Hermann Tomasgaard (Norwegen) und Francesco Marrai (Italien) folgen Philipp mit drei bzw. vier Punkten Rückstand.

Das Finale lässt Spannung vermuten, denn die ersten Fünf bis Sieben liegen mit ihren vorläufigen Endpunkten recht nahe beieinander.

Ergebnisse nach 9 Wettfahrten


5. Tag (So., 25.06.), Finale (gesamt 10 Wettfahrten)

Ein Abschluss zum Weinen

Auch mit bitteren Niederlagen müssen Leistungssportler umgehen können. Und wer dies noch nicht gelernt hat, ist entweder auf seinem Karriereweg noch nicht weit genug oder ihm fehlen leider noch die unvergesslich schönen Momente, die Sporterfolge schenken können.

Über letzteres kann sich Philipp nicht beklagen. Aber von den Desasters blieb er eben auch nicht verschont. Er hat längst und gründlich lernen müssen, ein Wettkampfdesaster am besten möglichst umgehend als normal und ohne innere Weltuntergangsstimmung zu akzeptieren. Einfach hinzunehmen, was eigentlich zum Weinen wäre.

Der Abschluss der KiWo 2017 zählt in diese Kategorie. Philipp liegt vor dem Medalrace auf Platz zwei, mit wenig Rückstand auf den Estländer Karl-Martin Rammo. Aber ebenso mit wenig Luft nach hinten, zu jenen, welche nur die Jagd auf den bereits viermaligen KiWo-Gewinner und wenn’s geht, auch noch auf Karl-Martin im Sinn haben.

Was ging durch von einem sicherlich klar gedachten Plan: Startschuss und alles begann gut. Guter Start. Top Speed bei starkem Wind um 4 bis 5 Beaufort. Das Feld teilt sich zur rechten und linken Seite. Philipp links. Seine Gegner mit ihm - taktisch logisch soweit, auch gut so. Ein Kampf vor dem Schilkseer Olympiahafen, gegen Wind und Wellen, was das Zeug hält.
Doch auf halber Kreuz das völlig Unerwartete. Die nach rechts raus Segelnden, beschenkt der Windgott – anders kann man es nicht sagen - mit einer Reihe günstigster Winddreher-Böen. Sie ernten dort enormen Vorsprung. Philipp erkennt dies auf halber Kreuz, wendet, segelt nach rechts in die Kursmitte, in Richtung der vermeintlich besseren Seite. Möchte diese Gelegenheit zum Absetzen von seinen Gegnern nutzen. Sie blieben noch links auf Kurs. Eigentlich ideal. Jedoch sollte Philipp sollte jetzt den Doppeldämpfer abbekommen. Das Segeln in die Kursmitte erweist sich fast im Handumdrehen wie eine gefährdende Schlucht – weiterer Rückfall statt Aufholen. Dennoch war der Schachzug aus Echtzeitsicht der einig richtige Schritt, der sich aber leider nicht als goldener Weg erwies.
Bald runden die Rechten die Luvmarke mit ungewöhnlich großem Abstand. Philipp und seine Hauptgegener im Anschluss. Das war der entscheidende Beginn des Worst Case. Die Fortsetzung bestand darin, dass Philipp mit gewagten taktischen Versuchen nichts mehr zu retten vermochte.

Zum Schluss ergabt sich für Philipp das Finale-Schlusslicht, schließlich der Verlust von vier Positionen der Entwertung und verständlicherweise eine mords Enttäuschung. Eine zum Weinen – ohne Ärgernis. Denn vermeidbare Fehler gab es nicht. Das goldene Quintet sollte nicht sein.

Auch der vor dem Finale führende Este (8. im Finale) ist wohl trotz Platz zwei gesamt nicht wenig enttäuscht. Die jedenfalls Glücklichen heißen Franceso Marrai (Italien, 1.) und Jack Wetherell (England, 5. zuvor, 1. im Medalrace und 3. gesamt). Ihn hätte man mit zunächst immerhin 19 Punkten Rückstand am wenigsten auf der Medaillenrechnung gehabt. Das Kieler Medalrace 2017 ist in der Tat etwas verrückt abgelaufen.

Endergebnisse nach 10 Wettfahrten


 
Links:

Liebe Leser,

das war's von der Kieler Woche.
Danke für Euer Interesse an den Berichten.
 
     Grüße von der Kieler Förde
     Euere Berichtverfasser
     Friedl Buhl

 

Aus Kiel von der EuroSAF „Kieler Woche“, meiner Heimregatta, herzliche Grüße an alle meine Partner und Förderer, Fans und Gönner sowie meine Freunde und Bekannten und natürlich nicht zuletzt meinen Segelclub Alpsee Immenstadt (SCAI).
 
     Euer Segler
     Philipp Buhl
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