Skandia Sail for Gold, Weymouth, England, 2009

Harte Bedingungen beim Final-Wettfahrtsieg
Auf dem künftigen Olympiarevier in Weymouth unter harten Bedingungen seinen ersten Final-Wettfahrtsieg bei einer Weltcup-Regatta erkämpft: Philipp Buhl.
(Bild: Friedl Buhl)

Freude bei Philipp Buhl über ersten Wettfahrtsieg bei Weltcup-Regatta.

Am vorletzten Tag der Weltcup Regatta „Skandia Sail for Gold“ vor Weymouth an der englischen Südküste kam Philipp Buhl noch in den Genuss eines wohltuenden Schusses Balsam. Er gewann erstmals im Goldfleet bei einer Weltcup-Regatta eine Wettfahrt und besiegte hierbei die aktuell namhaften Größen.

In den Tagen zuvor wollten sich bei kräftigem bis starkem Wind die von Buhl anvisierten Ergebnisse nicht einstellen, obwohl er solche Bedingungen gerne mag. Buhl beendet den vierten Sailing Worldcup der Saison als 31. von 107 Teilnehmern aus 26 Nationen. Er konnte zwar sein hoch gestecktes Ziel, Eintritt ins Medalrace der besten Zehn, nicht realisieren, war aber aufgrund seines schönen Teilerfolges am Ende nicht unglücklich.
Ungewöhnlicherweise kamen die sieggewohnten Engländer auf ihrem Heinmrevier nicht auf die Podestplätze. Diese waren zu vergeben an Australien, Cypern und Österreich.

(Weymouth / England 14. / 19.09.2009 (Text und Fotos: fb))
Für die heutigen Profisegler und so auch für den Segler vom Alpsee hat das Revier vor Weymouth einen besonderen Reiz. 2012 werden hier die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiel von London über die Bühne gehen. Das Revier im Nordseekanal reizt aber auch aufgrund seines hohen Anspruchs und seines Reichtums an verschiedenen Revierbedingungen. In diesem Jahr war den Seglern kräftiger bis starken Wind nahezu ohne Ende beschert. Athleten, die das Gefühl von Anstrengungen bis an ihren Anschlag nicht scheuen und es gerne deutlich spüren wollen, kamen voll auf ihre Rechnung. In dieser Saison forderte kein anderes Worldcup-Event die athletische Komponente der Segler derart grenzwertig heraus.
Sehr anspruchsvoll war aber auch die Großraumtaktik, denn der Powerwind war wegen seiner Ablandigkeit teils krass drehend und böig. Die zwischendurch relevante und sehr unterschiedliche Tidenströmung steigerte erheblich die Komplexität der taktischen Abwägungen.
Am ersten Tag belegte Buhl die Plätze 19 und 33. Damit war er nicht zufrieden. Aber es war der Einstiegstag, an dem man erstmals die „Stellschrauben“ für’s Weitere noch nachjustiert.

Am Folgetag zeigte sich eine erfreuliche Steigerung: Platz zwölf im ersten Tagesrace. Außergewöhnlicherweise ließ die Wettfahrtleitung zwei Outerloop-Kreuzen segeln. Das bedeutete insgesamt drei lange Kreuzkurse pro Wettfahrt, die somit über eine Stunde andauerte. Bei böigem Wind um 5 bis 6 Bft gerieten wohl alle Laserathleten mehr oder weniger an ihre phyischen Leistungsgrenzen. Buhl resümierte: „Das war ein außergewöhnlich harter Tag.“

In der zweiten Tageswettfahrt erwischte Buhl die gelbe Flagge der Jury. (Kurzer Zwischenkommentar: Die Gelbe gab esfür ihn auf dem Reacher bei 4-5 Beaufort! Eine höchst fragwürdige und sachlogisch falsche Entscheidung!! Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen, weil die unabdingbar schnelle Schot- und Körperarbeit als Reaktionen gegenüber den gegebenen Bedingungen (Wind plus Welle) ausschließlich ein ganz gezieltes segeltechnisch nötiges Handel (Windanströmung, Bootslängslage und –querlage optimieren – mehr nicht) darstellen und mit Pumpen nicht das Geringste zu tun haben. Wann kapieren das bestimmte Jury-Leute endlich??) Die Folge, der 720°-Strafkringel, kostete ihm natürlich empfindlich Plätze. Hinzu kamen noch zwei Vorwind-Kenterungen aufgrund starken Böen und einer sehr kabbligen und steile Welle, die schwierig zu meistern war. Trotzdem war der hoch motivierte Verfolger noch als 23. im Ziel, unter Berücksichtigung der Defkte eine sehr beachtliche Leistung.

Am dritten Tag legte der Wind noch eine Kohle auf. Die Wettfahrtleitung ließ nicht auslaufen. Zu groß erschien ihr das Risiko im Grenzbereich des Segelbaren, vor allem, nachdem starke Böen bereits am Vortag gemessene 35 Knoten (bis 8 Bft) erreicht hatten. Zudem segeln u. a. die Laser ca. 1,5 Stunden gegen Wind und Welle, um im Norden der Bucht vor Osmington ihr Kursareal überhaupt zu erreichen.
Die meisten Segler werden es begrüßt haben, dass mit dieser Entscheidung eine ausgiebigere Regeneration möglich war.

Der vierte Tag brachte für den Allgäuer leider keine weitere Steigerung und somit auch keinen Durchbruch auf einen Medalrace-Kurs. Im Gegenteil, weitere unbefriedigende Ergebnisse zementierten die Position im Bereich der 40. „Dinge, die normalerweise problemlos funktionieren, klemmen ein wenig.“ Aber es gebe verschiedene Fortschritte. „Mein Ziel, wieder ein echter Vorwindraser zu werden, habe ich (zumindest im Moment) schon erreicht.“, stelle Buhl fest.

Am fünften und letzten Tag der Finalserie wollte es für ihn dann endlich klicken. Ein gut analysiertes und ausgeklügeltes Taktikkonzept passte einwandfrei auf die Strömungs- und Windverhältnisse. Dabei war die Windsituation schwieriger als in den ersten Tagen, weil die schwindende Stabilität der Wetterlage erhebliche Veränderungen während des Tagesverlaufes zur Folge hatte.
Buhl rundete als erster die Luvmarke – welch ein Gefühl in einem Weltcup-Finalrace im Goldfleet. Man kann sich schlecht vorstellen, welcher Erfolgsdruck für ihn in diesem Moment aufgeflammt sein muss. Auf dem Reach behauptet er die Führung. Danach wird es brenzlig. Der Argentinier Alsogaray schoss mit einem kräftigen Windverstärker von hinten auf und prompt an Buhl vorbei in die Führungsposition. Was jetzt einsetzte, war „ … ein echter Kampf bis zum Äußersten“, so Buhl. Es folgten weitere packende Szenen eines spannenden Duells, aber der aufs höchste Motivierte gab alles, um im Ziel die Bestzeit und endlich eine echt überzeugende Leistung verbuchen zu können: Mit Erfolg!
Besiegt waren (da Goldfleet) auch alle der Besten, vom Gesamtführenden und ehemaligen Weltmeister Slingsby (Australien) über den Gesamt-Weltcup-Sieger Thompson (England) bis zum zurzeit dominantesten Laser-Segler Goodison (amtierende Europa- und Weltmeister und Olympiasieger), trotz seines Heimvorteil.
Intern wird für den Segler vom Alpsee diesem ersten Wettfahrtsieg ebenso wie dem bei der WM (in einem Qualifyingrace) sicher historischer Wert angedeihen. Diese Spitzeneerfolge zeigen: Buhl hat als Nachwuchsathlet heute durchaus schon das Zeug, nahezu fehlerfreie Wettkämfte vorzulegen und dann mit der Weltelite voll mitzuhalten oder sie gar zu besiegen. Zum Erreichen der für Gesamt-Topplatzierungen unabdingbaren Leistungskonstanz muss jedoch noch viel Feinarbeit in alle nur denkbaren Bereich hinein geleistet werden. Sonst würde man die internationalen Topsegeler nie zuverlässig erreichen.

Trotz des verpassten Tickets für’s Medalrace (kam leider aufgrund von Windmangel gar nicht mehr zustande) und des „nur“ 31. Platzes der Endwertung muss der Sonthofener nicht traurig nach Hause fahren. Im Gegenteil. Er nimmt eine hoffnungsvolle Bestätigung mit. Wie heißt es so schön: „Was noch nicht ist, kann noch werden.“

Gewonnen hat der allgemein bekannte Starkwindspezialist aber ebenso auch Universalist, der ehemalige Weltmeister Tom Slingsby (Australien). Vor dem Zweitplatzierten Pavlos Kontides (Cypern) darf man den Hut ziehen - er ist zwar ein echter Profi, aber noch Junior. Den dritten Podestplatz sicherte sich der ehemalige Olympia Medalist Andreas Geritzer (Österreich). Lokalmatador Goodison reichte es dieses Mal „nur“ zum fünften Platz. Auch sein Kollege aus demselben englischen Rennstall und Skandia-Team, Nick Thompson, konnte mit Rang sieben , sozusagen vor der eigenen Haustüre, dort wo ihr Großsponsor Skandia alles puscht, nicht mit einem Podestplatz auftrumpfen. Vielleicht sind in derart besonderen Situationen auch solche Vollprofis vom nationalen Erwartungsdruck mental einfach auch überfordert.
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