Semaine Olympique Francaise (SOF): Ein Weltup-Magnet

Ein Bild, das ganz besondere Erinnerungen weckt. Selten zuvor dürften bei Philipp (2. von rechts) Gefühle von Erfolg und Niederlage so eng beieinander gelegen haben wie hier, 2009 im Medal-Race der SOF in Hyeres.

Philipp Buhl wird es wissen wollen:

1. Tag: Einstieg mit hervorragendem 4. Platz

2. Tag: Wettfahrtsieg !! 2. Platz gesamt.

3. Tag: 4. Rang gesamt. Erneut nur 1 WF.

4. Tag: Mit rotem Trikot des 3. in die Finalserie. Rückfall auf 13.

5. Tag: Kein Erfolgstag, kein Medal-Race.



180

Insgesamt jedoch Spitzenleistungen vorgeführt.

Drei Wochen nach seinem erfolgreichen Saisons-Auftakt auf Mallorca greift Buhl in Hyeres wieder ins Weltcup-Geschehen ein. Diese Regatta, dieser Ort ist für den Segler vom SCAI etwas Besondere. Er mag das exzellente und mitunter sehr kniffelige Segelrevier an der Cote d Azur. Dort waren ihm außerdem großartige Erfolg beschert, aber nicht immer ohne Enttäuschungen (siehe Bild).
Der Sportsoldat aus Sonthofen wird ab Sonntag gegen die Maximalquote von 150 Athleten aus 41 Nationen in den Ring steigen.
Sein Ziel dürfte klar sein: So erfolgreich wie 2009 aber noch vollenden, was ihm damals versagt blieb.


(Hyeres, 26./30.04.2010 (Text und Bilder: fb))

Die SOF im Vorfeld
Der Segelsport befindet sich erfreulicherweise weiter im Aufwind. Für die Meldezahlen im sehr beliebten Segelrevier vor Hyeres wird dies besonders deutlich.
Bereits zum Europacup um Ostern registrierten sich in den Laserklassen (Standard, Radial und 4.7) über 500 Teilnehmer. Dies bescherte Rekordzahlen.

Zum nun bevorstehenden Weltcup-Event verhält es sich ähnlich. Besonders die Männer-Laserklasse expandiert. So musste erstmals ein riesige Meldezahl (182) auf die zulässige Höchstquote von 150 laut ISAF-Regelment reduziert werden, was für zahlreiche nicht hinreichend qualifizierte Segler leider die Abweisung bedeutete.

Dies ist auch ein Zeichen dafür, wie vollständig die Weltelite bei der Semaine Olympique Francaise vertreten ist, und dies ganz besonders in der Laser-Klasse. Hier hängen die Trauben extrem hoch.
Dies erzeugt sicher auch bei Philipp Buhl einen deftigen Anreiz, eine Situation, die er sich wünscht und die er als Messlatte dringend benötigt. Denn die noch schwierigeren Hürden, bei denen es dann punktgenau auf alles ankommt, stehen auf dem steilen und ausgesetzten Pfad nach Olympia erst noch bevor.

Es steht fest, wer hier top bestehen will, muss schon sehr weitgehende Perfektion vom Support-Team empfangen und letztlich aber die entscheidende Perfektion im Wettkampf selbst und ganz auf sich gestellt abliefern. Bis es soweit ist, vergehen Jahre intensiver Entwicklungsarbeit, bei der individuelles und innovatives Denken und Handeln sinnvoll und schier grenzenlos angesetzt werden müssen.photo15_15-2

Der Start ist auf Sonntag, 11:00 angesetzt. Heute herrschte Sonnenschein und eine dezente bis mittelstarke thermische Meeresbrise. Ähnliches wird für den ersten Wettkampftag erwartet. Bei diesen Bedingungen gilt das Laser-Aareal wegen Unregelmäßigkeiten als das schwierigste.

Philipp hat in seinem heutigen letzten Training das segeltechnische Feingefühl nochmals aufgefrischt und letzte Eindrücke vom Windverhalten mitgenommen.
Nun kann’s losgehen.

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1. Tag (Sonntag), Qualifying-Race 1
Philipp Buhl eröffnet mit einem Paukenschlag gegen die Besten seine Qualifying-Serie.
Er hat heute Morgen mutig und voller Zuversicht sein Wettkampf-Konzept umgepolt: „Meine sonstige Strategie, erst mal ein solides Ergebnis …fahren, werde ich über den Haufen werfen. Heute versuche ich, das erste Rennen zu gewinnen.“
Buhl kam seiner klaren Zielsetzung beachtlich nahe. Er segelt unter sehr schwierigen Leichtwindbedingungen einen hervorragenden vierten Platz.

In einer zweiten Wettfahrt liegt er mit ca. 70 m Vorsprung in Front. Dann musste die Wettfahrtleitung das Rennen leider wegen abflauendem Wind beenden.

Das dritte Fleet konnte aufgrund von Windschwierigkeiten leider keine einzige Wettfahrt ins Ziel bringen. Buhl liegt nun an 7. Stelle im Zwischenklassement zweier Fleets.

Damit hat für Buhl das Weltcup-Event in Hyeres mit schönem Erfolg und wertvollen positiven Erfahrungen begonnen. Darauf lässt sich aufbauen.
Für morgen ist eine bessere Seabreeze angekündigt.

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2. Tag (Montag), Qualifying-Race 2
Wirklich beeindruckend! Gestern hatte er sich weit aus dem Fenster gelehnt und sich offen und mit viel Selbstvertrauen einen Sieg gleich zum Beginn vorgenommen Er hat ihn nicht ganz erreicht, „nur“ Platz 4. Das hätte so natürlich schon gegolten. Aber heute legt er noch eine Kohle drauf und siegt prompt. Das ist auch typisch Philipp- immer wieder für Überraschungen gut. In der Ergebnisliste erscheint er und damit Germany nun unter 150 Zeilen an zweiter Stelle (nichts Alltägliches im Laser-Weltcup-Zirkus)- damit vor Hernandez (Spanien, Weltcupsieger von Palma) und Olympiasieger und Weltmeister Goodison (England). Das wirkt wie ein schönes und ansprechendes Bild und dürfte dem noch jungen Talent sicherlich den Mut und das Selbstvertrauen auf der hohen Ebene weiter stärken.

Unter Seabreeze-Bedingungen war es naturgemäß wieder auf dem Laser-Areal besonders schwierig, denn der Landeinfluss der Insel Giens dämpft und stört die thermische Windströmung aus Südwest. Für Buhl scheint dies weder Problem noch Nachteil zu sein. Er hat im Oberallgäu, auf dem Großen Alpsee und den bayerischen Binnenseen in reichhaltigen Varianten das Segeln, Wind- und Böen-Sehen bereits schon als Kind gelernt. Er hat offensichtlich den nötigen Scharfblick, um auch auf dem Meer die Zonen von etwas besseren Windentwicklungen oder sich anbahnende Winddreher gut und früh zu erkennen und darauf taktisch richtig zu reagieren.

Nach der halben Startkreuz ist es die Mittelzone, die Buhl von rechts gezielt ansteuert. Er rundet als Siebter die erste Luvmarke. Auf dem Vorwind gibt es dank spezieller taktischer Züge und natürlich img_7481-3seiner feinen Segeltechnik für die Konkurrenz allgemein wenig Chancen. Er macht drei Positionen gut. Auf der zweiten Kreuz wendet er sich schließlich in der launischen Thermikbrise in die Führung, die ihm bis ins Ziel auch Weltklassesegler nicht mehr streitig machen können.

Der Veranstalter schreibt in seinem Tagesbericht:
“The light conditions favoured some of the younger and lighter sailors. In the Laser, 20 years old, Philip Buhl (GER) won the day’s race. Vice European Youth Laser champion in 2008, Buhl gets to the second place overall, one point behind Evangelos Chimonas (GRE).”

Nett geschrieben, aber eine kleine und nicht unbedeutsame Korrektur sei erlaubt. Philipp gehört nicht zu den „…leichteren Seglern“. Er liebt nämlich auch den starken Wind, und das sagt alles. Er hat es definitiv anderweitig herausgeholt (sicher auch in der Begleitung des Quäntchen Glücks). Das macht die Resultate von gestern und besonders heute umso hochwertiger.

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Eine weitere Wettfahrt kam wegen des zeitlich sehr begrenzten Windfensters nicht mehr zustande. Alle drei Fleets sind jetzt mit zwei Qualifizierungswettfahrten gleich auf, aber mit zwei im Hintertreffen.

Für Morgen kündigen die Wetterstationen erneut Leichtwind an.


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3. Tag (Dienstag), Qualifying-Race 3
Die Segelbedingungen an der westlichen Cote d Azur lassen zu wünschen übrig. Anhaltender Schwachwind, der immer wieder zum Abwarten und Abbrechen von Fettfahrten zwingt, brachte das Programm etwas durcheinander. So haben fast alle Klassen bisher nur etwa die Soll-Hälfte geschafft. Ein dramatischer Zustand ist dies jedoch noch nicht. Schließlich waren die Segler an jedem Tag auf dem Revier und haben i. d. R. mindestens eine Wettfahrt zustande gebracht.
In der Laser-Klasse segelten heute zwei Fleets zwei Wettfahrten, während das andere nur eine schaffte. Philipp Buhl beendet mit einem 13. Rang und positioniert sich insgesamt mit bescheidenen drei Punkten Gesamtrückstand Rang vier. Damit verteidigte Buhl seine hervorragende Stellung, in der ihm noch sämtlich Türen offen stehen.
Die Führung übernimmt der Olympia-Champion Goodison (England) vor Geritzer (Österreich) und Hernandez (Spanien).
Philipps Kaderkollegen, Malte Kamrath und Simon Grotelüschen, haben bisher recht gute Ergebnisse um die Top-Ten erzielt. Momentan leidet ihr Konto allerdings noch unter der Punktelast einer Frühstart-Disqualifikation, die allerdings mit einem späteren Streicher beseitigt werden kann.
Die Wetterfrösche können für Mittwoch leider keine günstigeren Bedingungen verkünden. Optimistisch gesehen, sprechen Kleinigkeiten dafür (etwas dünnere Wolken und etwas weniger vom nachteiligen Großwetterlagenwind), dass die Seabreeze morgen vielleicht um ein paar Knoten mehr weht.

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4. Tag (Mittwoch), Qualifying-Race 4 und Final-Races 1 und
Für Philipp Buhl sollte es heute bewegende und enttäuschende Momente geben.
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Er zaubert zunächst eine grandiose Wettfahrt hin, als er sich von der 25. Position an der ersten Bahnmarke bis auf den hervorragenden vierten Platz vorkämpft. In der Gesamtwertung schiebt sich Buhl wieder um eine Position nach vorne, auf den dritten Platz und hat nur einen Punkt Rückstand zum Führenden. Das war zum Ende der Qualifying-Serie.

Gegen Abend, als sich der Wind etwas verstärkte, werden die Segler zum Starten der Final-Serie erneut auf’s Wasser gerufen. Für Philipp war dies ein besonderes Auslaufen. Er trägt nämlich den roten Punkt im Segel, als Zeichen des Drittplatzierten.
Zwei Final-Races werden noch gesegelt, und dies auf einer anderen Bahn. Diese war Buhl bis dato nicht geläufig, was sicher eine zusätzliche Schwierigkeit zu den komplizierten Windverhältnissen war.

Dem Segler vom Alpsee wollte heute nichts mehr so recht gelingen. Ein langer und kräftezehrender Tageseinsatz endete mit einem enttäuschenden Rückschlag: Platz 28 und 26. Einen konnte er streichen. Diese Resultate werfen Buhl auf den 13. Rang zurück. Der Punkte-Rückstand hält sich aber in Grenzen, denn er hatte bis dahin keinen Ausrutscher erlitten.

Mit Blick auf die Medal-Race-Qualifizierung hat Buhl trotzdem noch eine gute Ausgangsbasis.
Am Freitag werden weitere Finale-Races gestartet, sofern die Windverhältnisse dies ermöglichen. Der Wind wird auf jeden Fall weiterhin schwach bis maximal mittelmäßig ausfallen.

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5. Tag (Donnerstag), Final-Races 4 und Final-Races 3bis 5

Kein überragender Tag für den am Anfang so Erfolgsverwöhnten. Philipp Buhl kann den Beginn seiner
erfolgsgedämpfte Phase vom gestrigen Spätnachmittag heute nicht stoppen. Er belegte in den drei
img_7490-2abschließenden Final-Races Range zwischen 20 und 30. Das ist für einen Weltcup-Jungfuchs wie Philipp an sich eine sehr beachtliche Leistung. Der Großteil seiner Altersgenossen träumt vom Goldfleet. In diesem hielt Buhl gestern mit dem roten Trikot des Drittplatzierten stolz Einzug in die Finalserie.
Das war eine absolut überragende Leistung, den Dominator Goodison oder den Spanier Hernandez (Sieger von Palma und hier in Hyeres nach der Finalserie) wenigstens zeitweise hinter sich zu haben. Auch der sensationelle Wettfahrtsieg am zweiten Tag, das alles war von Buhl eine Weltklasseleistung , die von einem 20-jährigen Athleten auf Weltcup-Ebene in der sehr konkurrenzdichten Laser-Klasse schlechthin nicht zu erwarten sind.

Die anfängliche Erfolgswelle hielt nicht an. Der mehrfache Junioren-Europameister hat sein Ziel, für Samstag das Medal-Race-Ticket zu lösen, nicht erreicht. Für Buhl war es ein ehrgeiziges Ziel, aber kein entscheidendes. Zurzeit befindet er sich noch in der Formaufbau-Phase für das (die) bevorstehende(n) Highlight(s).

Ein wichtiges Vorhaben hat Buhl jedoch so gut wie kaum ein anderer umgesetzt. „Ich wollte konstant segeln und mir keinen großen Ausrutscher erlauben.“ Tatsächlich haben von allen 141 Seglern nur zwei einen Streicher mit weniger Punkten. Buhl vermerkt dazu allerdings enttäuscht: „Leider blieb in der Finalserie ein „Ausrutscher“ nach vorne aus.“

Die Platzierungen der deutschen Segler im Goldfleet: Malte Kamrath (16.), Philipp Buhl (21.) und Simon Grotelüschen (30.).
Nach der Finalserie sind Javier Hernandez (Spanien), Paul Goodison (England) und Andi Geritzer (Österreich) vorne. Über den endgültigen Sieg und die weiteren Top-Ten-Plätze entscheidet das Medal-Race am Freitag.

Das nächste Weltcup-Event beginnt in drei Wochen in Medemblik / Ijsselmeer.

Das war’s vom Weltcup in Hyeres / Frankreich.
Ein zusammenfassender Bericht folgt.
Ihr Berichtverfasser
Friedl Buhl


Vom Weltcup-Einsatz in Hyeres / Frankreich herzliche Grüße an alle meine Partner und Förderer, Fans und Gönner sowie meine Freunde und Bekannten und natürlich nicht zuletzt meinen Segelclub Alpsee Immenstadt (SCAI).


Ihr Segler
Philipp Buhl



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