Weltcup „Kieler Woche“ 2011

 
 Philipp Buhl: "Auf geht's in die nächste Runde!"                 (Bild: F. Buhl)

Die Hauptstufe der Qlympia-Qualifizierung wird gezündet!

1. und 2. Tag: Als Drittbester ins Goldfleet.
3. Tag: Mit seglerischer und athletischer Glanzleistung vor auf Platz zwei.
4. Tag: Keine gewerteten Races.

5. Tag: Buhl gewinnt Silbermedaille des Kieler Weltcups. Zweiter im Medalrace.


 

 Die Kieler Woche wird als größte Regatta der Welt bezeichnet, und sie stellt für Kiel und den Norden gleichzeitig ein Riesenvolksfest dar. Diesen Größenstatus erlangte diese Wassersportveranstaltung deshalb, weil unmittelbar nach allen zehn olympischen Klassen die internationalen Klassen des ambitionierten Breitensports ebenso um die Lorbeeren kämpfen – eine schöne, gute und für den Sport sehr geschickte Mischung. Sie führt Breiten- und Hochleistungssport aneinander.

Für die Hochleistungssegler in den olympischen Klassen ist Kiel das Schlusslicht der siebenteiligen Weltcup-Runde, die im Dezember in Melbourne (Australien) beginnt. Die Anzahl an Weltcup-Events ist damit etwas bescheidener als in manch anderen Sportarten, z. B. im alpinen Skirennsport. Für die Programmdichte und das von den Athleten zu erbringende Leitungspensum trifft dies ganz und dar nicht zu. Denn Weltcup-Segler kämpfen alleine um einen Titel über elf bis 13 Einzelbewerbe an fünf bis sechs Tagen – also über zehn Stunden reine Wettkampfzeit.

Kiel bedeutet für die Athleten der Deutschen Nationalmannschaft des Sailingteam Germany durchwegs hohen bis sehr hohen Erfolgsdruck. Die Regatta stellt nach Weymouth die Mittelphase der Olympiaausscheidung dar. Sich bewähren vor der „eigenen Haustüre“ heißt es also. Unter hesonderem Druck stehen jene, bei denen es in Weymouth noch nicht so recht klappen mochte.

Philipp Buhl kann es in Kiel sicher nicht locker und lässig angehen. Aber zu Verbissenheit gibt es keinen Anlass. Denn der Allgäuer hat bereits im hochkarätigen Weymouth die Erfolgsschiene gefunden und vorgeführt, dass mit ihm zu rechnen ist. Zwar gibt es bei Buhl neben den grundlegenden Qualianforderungen auch noch eine sehr spannende interne Auseinandersetzung mit seinen Kaderkollegen Kamrath und Grotelüschen – mit letzterem bisher sogar ein Kopf-an-Kopf-Rennen, aber so Buhl: „Wir werden daraus auf jeden Fall weiterhin  eine faire und sportliche Auseinandersetzung machen und dann ... - ich sag's wie der bayerische "Kaiser" Franz seinerzeit vor der Fußball-WM: "Schau' mr moal."

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(Kiel, 18./22.06.2011 (Text und Bilder: Friedl Buhl)

Am Tag davor:

Für Philipp Buhl hat der Auftritt in Kiel, in seiner zweiter Heimat, ganz spezifische Charakterzüge. Es gibt viel mehr zu erledigen, man ist weit mehr gefragt, und die zahlreichen Begegnungen kann und will man natürlich nicht kurz abfertigen. So ist es teils schon ein kleines Kunststück, den Blick vorwiegend darauf zu halten, worauf es am Ende ankommt.
 
Buhl segelte heute bei pfiffigem Wind ganz alleine kurz auf die Förde raus, nicht um zu trainieren und nicht, um noch etwas zu probieren. Es war, als wollte er das Meer heute noch begrüßen oder sich von ihm begrüßen lassen. Es war sein einziger Ausritt nach der Ankunft aus Weymouth und er glaubte: „Ich denke, das reicht. Es läuft soweit alles.“
 
Erster Start ist für die Laser um 11:00 auf der Bahn „CHARLY“, ca. 10 km nördlich vom Olympiahafen in Kiel Schilksee. Das bedeutet für die Segler selbst bei gutem Wind, fast eine Stunde raussegeln auf den Kurs.
Laut Vorhersage soll es moregn mittleren bis teils kräftigen böigen Wind bei teilweise mäßigem Regen geben. Für einen Nichtsegler ein Sch…wetter! Für einen richtigen Segler wegen des Windes durchaus okay.

 

 

 

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1.und 2. Tag (Samstag und Sonntag): Qualifying Races 1 bis 5
 
Für Segler auf der Weltcupebene ließ der Wind ließ bisher keine Wünsche offen, vielleicht für den einen oder anderen Leichtwind-Liebhaber. Bei 3 bis 6 Beaufort segelte Philipp Buhl mit voller Kraft und zuverlässiger Leistungskonstanz voran und verbucht nach der Halbzeit ausschließlich klare Top-Ten-Platzierungen und darunter zwei Siege.

Kein seltenes Bild in Kiel: Philipp Buhl dominiert die das Feld.      (Bild: F. Buhl)Besonders beeindruckend war beispielsweise die heutige fünfte Wettfahrt, bei der Buhl bereits ab der Nachstartphase das komplette Feld in die Rolle des Jägers versetzte. Und dabei gab es selbst für seine härtesten Konkurrenten keine Chancen, an seine Geschwindigkeit anzuknüpfen, geschweige denn, ihn zu attackieren. Der Allgäuer raste so seinem zweiten Wettfahrtsieg entgegen. Schließlich zieht er morgen mit dem blauer Trikot (Zeichen des Zweitplatzierten Qualifyings) in die Finalserie ein.

Der Segler vom SCAI ist auf einem guten Weg, nach Weymouth jetzt auch in Kiel wichtige Punkte für das Qlympia-Qualikonto zu sammeln. Dies trifft auch für den Simon Grotelüschen vom Lübecker Yachtclub zu, der in der Zwischenwertung unmittelbar hinter Buhl liegt. Die beiden lieferten sich bereits in Weymouth ein Kopf-an-Kopfrennen und setzen dieses höchst spannende Duell in Kiel fort.

Für morgen soll der Wind noch „eine Kohle“ zulegen, aber aus anderer Richtung, und er stellt somit natürlich wiederum neue Anforderungen an die Taktik. Da morgen drei Wettfahrten anstehen, erwartet die Segler ein außerordentlich anstrengender Tag.

 

 

 

 

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3.und 4. Tag (Montag und Dienstag): Finale Races 1 bis 3 (gesamt 6 und 8) 

Der Wind wurde den Vorhersagen gerecht und verlangte den Athleten mit meist 4 bis 5 Beaufort sehr viel ab. Dazu kam, dass drei Wettfahrten zu segeln waren und zwar mehr als üppig dimensionierte – also eine Mammut-Anforderung ähnlich wie am ersten Tag.

 img_3500-3Philipp Buhl konnte das nur recht sein, denn er ist in bester Form und dies demonstrierte er erneut. In der ersten Wettfahrt macht ihm allerdings bereits auf der Startkreuz ein anhaltender Winddreher zu schaffen und pulverisiert jäh seine gute Stellung. Schließlich nur Platz 21 an der ersten Luvmarke. Rang 10 im Ziel – mehr ließ sich bei aller Anstrengung nicht ausbügeln.

 In der zweiten Wettfahrt ist bereits in der Vorstartphase förmlich wahrnehmbar, welcher Siegeswille in Buhl steckt, um sich jetzt jeglicher Gefahr des Abrutschens wirksam entgegen zu stemmen. Dem Kämpfer aus dem Allgäu gelingt, was er will. Mit Topstart, richtiger Taktik und für kaum einen Segler erreichbaren Starkwindspeed rundet er hinter dem Neuseeländer Andy Maloney, holt ihn auf dem Reacher auf und schließlich auf dem anschließenden Vorwind ein. Danach hat gegen Buhl an der Front keiner der Goldfleet-Konkurrenten eine Chance. Er baut seinen Abstand zum Feld auf etwa 200 m aus und siegt souverän.

 

 

 

Die noch anstehende dritte Wettfahrt war für die Athleten gleichzeitig ein realer Kraft-Ausdauer-Test. Der Segler vom Alpsee setzt sich trotz seines vorangegangenen Sieges für einen weiteren Toperfolg unter Druck, da sich Hauptgegner Simon Grotelüschen als nicht einfach zu knackende „Nuss“ einbringt.

Buhl rundet im Luv als Fünfter und mehrere Boote vor dem Lübecker. Dann hat ganz offensichtlich die Jury zum ersten Mal gesehen, wie ein Raumkurs bei 4 bis 5 Beaufort in Wind- und Heckwelle wirklich gekonnt, sportlich und rasant gesegelt wird. Buhl überholte bereits nach 400 m auf dem Reacherkurs zwei Boote und war einem dritten an den Fersen. Die Jury dachte sich offensichtlich, das kann nur mit verbotenem Pumpen (Regel 42) möglich sein …

(Inkomptenz und Unkenntnis!! Denn die im zur Last gelegten Oberkörperbewegungen dienten nur der perfekten Anpassung an Wind und Welle. Das ist erlaubt! Verbotenes Pumpen ist bei dieser Windstärke praktisch gar nicht mehr möglich bzw. keinen zusätzlichen Vortrieb mehr. Diesen Regel-Schwachsinn sollte die Laser-Klasse dringend ändern. Sonst macht sie sich im Hochleistungsbereich lächerlich und raubt dem Laser-Segelsport zudem eine wichtige sportliche Komponenten. Hier sind die Klassenvereinigungen zur Tat aufgerufen. Andere Klassen, wie beispielsweise Finn und 470er sind hier viel weiter und setzen einen Teil des Reglements bei ab mittleren Windstärken außer Kraft.

… und flaggt den Überflieger. Ein Doppelkringel wirft ihn auf die achte Position zurück. Buhl will wieder nach vorne und kämpft unbeirrt weiter. Im Ziel steht fest, die sinnlose oder zumindest höchst fragwürdig vergebene Kringelstrafe der Jury kostet Buhl nur den möglichen Sieg, mehr nicht. Denn er beendet trotzdem mit der zweitbesten Zeit.

Mit dieser glänzenden Tagesleistung wird der Allgäuer in der Zwischenbilanz Zweitbester. Grotelüschen liegt zwei Punkte vor ihm. Dritter wird Josh Junior aus Neuseeland. Im deutschen Trio der Olympiakanditaten gelangen Malte Kamrath (Berlin) zwar mehrere gute Top Ten-Ergebnisse, musste aber leider auch eine Frühstart-Disqialifikation (BFD) verkraften und ein paar weitere Platzierungen im 20er-Bereich, so dass er seine Erwartungen in Keil leider nicht erfüllen konnte.

 

Am 4. Tag herrscht im Bereich des Stollergrund der Kieler Förde nur bedingt segelbarer schwacher Wind. Nach zwei abgebrochenen Wettfahrten blieben somit die Vortagesergebnis aktuell.

Für Mittwoch steht nun noch das Medalrace auf dem Programm, für das sich Buhl mit seinem bisherigen zweiten Platz souverän qualifizierte.

 

 
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5. Tag: Medalrace (gesamt 9)

Philipp Buhl fehlen an der Ziellinie zwei Bootslängen zum Hauptgegner Grotelüschen. Dieser rundete an der ersten Luvmarke an zweiter Stelle, Buhl nach etwas unglücklicher Startkreuz als Achter. Doch er holte auf dem Vorwindkurs auf die dritte Position auf, zieht in der oberen Hälfte der zweiten Kreuz mit dem führenden Grotelüschen mehr oder weniger gleich, überholt ihn auch teils und rundet knapp hinter ihm. Die Verfolger liegen zu diesem Zeitpunkt bereits mit 40 m und teils deutlich größerem Abstand dahinter. Dem Allgäuer gelingt es auf dem Downwind nicht, an seinem Konkurrenten aus Lübecker vorbeizuziehen. Im Ziel fehlen Buhl gerademal 8 m zum Sieg im Medalrace und schließlich auch zur Goldmedaille.

 

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Die Dominatoren beim Kieler Laser-Weltcup unmittelbar nach dem Zieldurchgang im Medalrace: Der glückliche Gewinner Simon Grotelüschen (rechts) und der knapp Geschlagene Philipp Buhl.

Auch wenn es um sehr viel ging, wie hier um Gold oder Silber und die Olympiaausscheidung parallel, bekämpfen sich die beiden nur im Sport und reichen einander danach die Hand.   (Bild: F. Buhl)

 

Nach einer großartigen seglerischen und vor allem auch athletischen Leistung gewinnt der Sportsoldat aus Sonthofen seine zweite Weltcupmedaille und verfehlt den Sieg nur sehr knapp. Herzliche Gratualtion von dieser Stelle! Gratulation aber auch an Simon Grotelüschen zur Goldmedaille. Vielen Dank und hohe Anerkennung an Euch für den überaus spannenden und sportlich fairen Wettkampt, der bereits in Weymouth begonnen und hier in Kiel einen weiteren Höhepunkt erfahren hatte. Was die beiden Athleten in letzter Zeit auf oberstem Niveau vorführten, hat Deutschland mit Blick auf ihre eigenen Laser-Athleten zuvor kaum erlebt.
 
Was die Olympiaqualifikation betrifft, hat Buhl und Grotelüschen nun ein gut gefülltes und sehr aussichtsreiches Punktekonto. Allerdings ist hier noch nichts endgültig entschieden, auch wenn der Nortdeutsche die Nase im Moment etwas vor dem Süddeutschen hat. Die Spannung bleibt! Erst vor Weihnachten werden wir es wissen, welcher der beiden Deutschland die Ehre haben wird, Deutschland in London / Weymouth 2012 zu vertreten.

  

Link:

 

 

 

 

 
 
Das war’s vom Sailing Worldcup der Kieler Woche (Gesamtbericht folgt).
Grüße aus Kiel
 
Euer Berichtverfasser
Friedl Buhl
 
 
Vom Sailing Worldcup in Kiel herzliche Grüße an alle meine Partner und Förderer, Fans und Gönner sowie meine Freunde und Bekannten und natürlich nicht zuletzt meinen Segelclub Alpsee Immenstadt (SCAI).
Ihr habt mir wieder in bewährter Manier fest die Daumen zum guten Gelingen gedrückt. Vielen Dank!
 
 
Euer Segler
Philipp Buhl

 


 
            
  

Links zu diesem Event:

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