Wenn Erfolge als Niederlagen empfunden werden

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Philipp Buhl eröffnet Einblicke in seine Empfindungen während wichtiger Stationen der Weltcup-Saison und Olympiakampagne 2012.


Anschließend ein Kommentar zum Thema



(Sonthofen, 09.2011)

Einblicke:

Knapp zwanzig Meter waren es, in dem legendären Laser Medal-Race bei der Kieler Woche 2011. Kurz vor der Ziellinie war die Luft raus, der Herzschlag sank, die Enttäuschung wuchs. Und schließlich: Kein Sieg im Finale, kein Kieler Woche-Sieg, kein Triumph sondern eine Niederlage und wieder wertvolle und greifbar nahe Punkte im Kampf ums Olympiaticket schmerzlich eingebüßt.

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Erst zwei Wochen zuvor hatte ich es endlich geschafft, mich aus meinem bisher größten Tief meiner Sportkarriere zurück zu kämpfen. Mühsam und langsam bahnte ich mir den Weg zurück an die Weltspitze, zurück auf das Niveau, auf dem ich bereits ein Jahr zuvor schon war. Pünktlich zum Start der Olympia-Quali in Weymouth stimmte die Form wieder und damit auch die Ergebnisse. Bester deutscher Laser-Segler und auf Platz vier vor dem Medal-Race. Dann dieses letzte Rennen. Mit einem gefühlten Lächeln am Start und dann auf dem letzten Platz mit Enttäuschung durchs Ziel: Das war’s zunächst!

        

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Das Ende von Weymouth abgehakt startete ich hochmotiviert bei der Kieler Woche. Vor dem Medal-Race war eine Medaille bereits sicher, mit besten Chancen auf den Sieg. Die Regel war einfach: Im Medal-Race vor Hauptkonkurrent Simon bedeutet, Kieler Woche-Sieg und Höchstzahl an Olympia-Punkten einstreichen. Mit meinem Bug an seinem Heck vorfolgte ich ihn über den gesamten letzte Vorwindkurs, weit abgesetzt vom Rest der Konkurrenz. Den Abstand zu Simon verringerte ich nur um Zentimeter, der zur Ziellinie schmolz nur so dahin. Die Zeit und mein Puls rannten - bis zu eben diesen letzten zwanzig Metern, als die Zeit stehen blieb.

Zwei Niederlagen innerhalb kürzester Zeit trotz persönlicher Topform zermürben. Ich suchte den Abstand von jeglichem Segeln in meiner Heimat, versuchte mich etwas im FD meines Vaters – alles, nur kein Laser!

Bis vor ein paar Tagen, als mein Vater wieder in seinen FD und ich wieder in meinen Laser stiegen. Er segelte Regatta, während ich meinen Laser nur für ein paar sonnige Einheiten wässerte. Ein paar Stunden alleine mit dem Laser auf dem Gardasee, viele Stunden Hitze, einige Pizzen und jede Menge braun gebrannte Bikini-Models – was gibt es besseres zum Aufladen der Akkus?

Zur Krönung des Urlaubs dann mein persönliches Highlight. Foto-Shooting aus einem ganz neuen Blickwinkel – von oben. Bilder aus der Vogelperspektive. In einer halben Stunde war alles erledigt und das Ergebnis ist beeindruckend.

Mit nachgefüllten Akkus geht’s jetzt nach Kiel, um mich dort wieder so langsam dem Studium und natürlich dem Segeln zu widmen. Und das mit coolen Pics und schönen Erinnerungen an ein außergewöhnliches Foto-Shooting.

 

Philipp Buhl

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Kommentar

Der Leistungssport kann gnadenlose und belastende Formen annehmen, weil oft nur der Beste oder bestenfalls die besten Drei  die erstrebte Beachtung finden. Alle weiteren, sicher auch erstklassige Leistungen zählen vergleichsweise nichts mehr. Daran haben die Medien aufgrund ihrer immer mehr ausufernden Schlagzeilensüchtigkeit eine gehörige Portion Mitschuld. Gnadenlosigkeit empfindet der Sportler auch dann, wenn winzige Differenzen eine Niederlage besiegeln. In übrigen Lebensbereichen werden zur Minderung von Härten vielfach – wenn es eng wird - Ermessenspielräume zugunsten des Betroffenen genutzt, z. B. bei der Notengebung. Im Leistungssport geht das nicht, und es gibt hier auch in Extremfällen keinen Pardon. Hier verlor jüngst eine Leichtathletin die Goldmedaille und wurde um ihre Lebensleistungen und ihren Karrieregipfel gebracht, weil beim Weitsprung nur ein Büschelchen ihrer Haare etwas früher in den Sand streifte. Eigentlich absurd!!

Eine andere Sache ist die Olympia-Qualifikation im Segeln. Hier kann eine Nation grundsätzlich nur einen Athleten nominieren, was in vielen anderen Disziplinen so hart nicht begrenzt ist. Diese Regelung ist aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger notwendig und somit nachvollziehbar. Die verbliebenen deutschen Qlympia-Aspiranten Philipp Buhl und Simon Grotelüschen würde man am liebsten beide 2012 nach London / Weymouth entsenden. Sie haben schon heute bewiesen, dass sie würdige und sogar Medaillen-verdächtige Kandidaten für die XXX. Sommer-Olympiade sind. Und sie haben beide bereits nach zwei von drei Qualifikations-Wettkämpfen sowohl die internationale als auch sehr hohe nationale Leistungs-Norm höchstwahrscheinlich vorzeitig geschafft, und zwar so deutlich wie keine anderen deutschen Athleten der zehn olympischen Seglerdisziplinen. Und dies ausgerechnet in der überaus konkurrenzstarken Laser-Klasse, in der es seit 1996 (Laser war erstmals anstatt FD olympisch) kein Deutscher mehr zu einer Olympia-Teilnahme brachte. Dazu ist beiden Athleten nur zu gratulieren. Und die beiden sind es insbesondere, die mit ihrem Kampfgeist und ihrer unerschütterlichen Zuversicht den deutschen Segelsport im Hochleistungsbereich aus dem jahrzehntelangen Tief wieder in Richtung Aufwind und berechtigte Hoffnungen befördert haben.

Allerdings wird unweigerlich auch der Gedanke lebendig, dass der Jüngere im Bunde enorme Schub- und Zugferd-Effekte im Kieler Olympiastützpunkt auslöste. Der erst 21-jährige Allgäuer aus dem Süden Bayerns glänzte mit seinen außergewöhnlichen nationalen und internationalen Spitzenerfolgen schon seit Jahren und damit schon während seines Anmarsches auf den Nationalkader in Kiel. Er realisierte und führte anhaltend und zielgerichtet  vor, was eben doch möglich ist und wovon die meisten hierzulande nur träumten.

Wenn Philipp zu Weymouth und Kiel von „Zwei Niederlagen innerhalb kürzester Zeit … zermürben.“ spricht, spricht dies Bände, wie sehr in disem Fall ausgerechnet Trainingpartner und Kollegen plötzlich zu den erstrangigen sportlichen Gegnern umgepolt werden können und wie hoch der Erfüllungs- und Erwartungsdruck sein muss. Denn in Wirklichkeit waren Weymouth in Kiel für beide zwar nicht rundum die perfektest gelungenen Events, aber doch hoch positive und unvergessliche Erfolgsgeschichten: Zwei deutsche Laserpiloten bei namhaften Weltcups klar unter den Top Ten, die zudem noch auf Gold- und Silberrang lagen und im Finale dem Publikum vor heimischer Kulisee den Atem stocken ließen. Das gab es zuvor nicht. Welch ein Gewinn für den deutschen Segelsport! Er ist wieder in der Weltspitze präsent.

Simon war in beiden Weltcups der im Ziel schnellere Medal-Racer, während sich Philipp jeweils in der Gesamtwertung über die Fleetrace-Wettbewerbe als der Überlegene erwies. Der erfolgreichere Finalist profitierte vor allem vom doppelten Gewicht der Abschlusswettfahrt. Wie gewichtig der nunmehrige summa summarum 6 Punkte-Vorsprung des Lübeckers ist, wird sich im Winter in Australien bei der WM, beim Olympiaticket-Finale der beiden neuen Protagonisten deutscher Leistungssegler herausstellen.

 

Friedl Buhl

 

 


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Philipp Buhl eröffnet anschließend Einblicke in seine Empfindungen während wichtiger Stationen der Weltcup-Saison und danach.

Darunter ein Kommentar

(F. Buhl)

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