Der Traum lebt weiter

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Philipp Buhl
verliert WM-Ausscheidungskampf
um’s Olympia-Ticket

 

Ein Erfahrungsbericht

und Neujahr-Grüße / -Wünsche  für 2012



 

Zuerst ein Wort an meine geschätzten Förderer und Sponsoren,
(namentlich gemäß den Logos unterhalb)
Ich wünsche Ihnen ein rundum gutes, glückliches und erfolgreiches Neues Jahr 2012.
Eurer Unterstützung gilt mein besonderer Dank.
Ohne dieses Zutun wäre meine Segelsport-Unternehmung nicht möglich.
Daher seid Ihr stets ein Teil meiner Erfolge.

Auch nachdem mein hohes Ziel "Olympia 2012" leider nicht wahr werden wollte / sollte,
wie nachfolgender Erfahrungsbericht näher beschreibt,
gibt es im kommenden Jahr trotzdem wieder eine Reihe interessanter Blickpunkte und Zielsetzungen.

Ich freue mich auf unsere weitere Kooperation und kann Euch mein Gefühl versichern:
Ich kämpfe stets auch für Euch.

Euer Segler & Partner
Philipp Buhl

Des Weiteren:

Beste Neujahrswünsche und ein herzliches Dankeschön auch an meine sonstigen Supporter
(Bundestrainer und Privatcoach, Familie, Partner und Personen der mich betreffenden Publicity und
alle, die in sonstiger Weise Wichtiges und Hilfreiches dazugeben).

Natürlich denke ich mit meinen guten Wünschen zum Neujahr gerne auch an
meine treuen Daumendrücker, Gönner & Fans, meine Freunde und Bekannte,
die Trainingspartner, Konkurrenten und nicht zuletzt an
die Regattaveranstalter mit ihren teils beachtlichen ehrenamtlichen Engagements
und alle, die gerne meine Homepage besuchen, um die Neuheiten zu erfahren.

Euer Segler
Philipp Buhl

 

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Erfahrungsbericht zur WM in Perth mit Olympia-Ausscheidung

von Friedl Buhl


Für den Erfolg gibt es keine Garantie. Es gibt Hebel, die kann man nicht bedienen. Das gilt für jedermann, wie gut er sich auch immer geübt haben mag. Wir wussten das. Jetzt haben wir es in dramatischen Geschehnissen und teils bitteren Momenten erfahren müssen – oder vielleicht dürfen!? Ja, man kann es auch so sehen. Gerade eine Niederlage macht ein ggf. nächstes Highlight zu einem Mehr an Besonderem. Genauso wie eine Gipfelbesteigung, wenn sie von weit unten aus dem Tal heraufführte. Und so glauben wir durchaus an das Positive, das sich aus den Geschehnissen bei der ISAF-WM in Perth längerfristig vielleicht ergibt.



 
ISAF-WM – die schwerste Herausforderung
 

(Perth / Fremantle,12./18.12..2011 (Text und Bilder: Friedl Buhl))

ISAF-WM, warum ist das ein besonderes Event. Die WM jeweils nur im vorolympischen Jahr wird vom Weltseglerverband (ISAF) durchgeführt und umfasst sämtliche zehn olympische Seglerdisziplinen. Von daher ist es eine Großveranstaltung ersten Ranges. Diese ISAF-WM in Fremantle / Perth an der südwestlichen australischen Ozeanküste war die größte Segelregatta-Veranstaltung in der Geschichte des Kontinents.
Für die Athleten sind die ISAF Worlds vor allem wegen ihrer höchsten Leistungsdichte und der Qualifikationsanforderungen für die bevorstehenden olympischen Spiele so wichtig.
Für Philipp Buhl, mit zuvor zwei WM-Teilnahmen zwar nicht ohne Erfahrungen, war es die erste Regatta eines solchen Kalibers. Gleichzeitig lastete auf seinen Schultern ein sehr hoher Erwartungsdruck von externer Seite und seiner selbst. Es ging bekanntlich um die abschließende Olympia-Qualifikation. Treffender formuliert war es eine Olympia-Ausscheidung. Denn einer von den zwei Deutschen, die sich im Laser als die Spitzenathleten herauskristallisiert hatten, musste weichen: Philipp Buhl oder Simon Grotelüschen (Lübeck). Das war in Australien neben der WM auch die zentrale und Spannung erregende Frage.
Was die internationale und nationale Qualifikation betrifft, hatten beiden dank ihres erfolgreichen Gasgebens bei den Weltcup-Regatten in Weymouth und Kiel (vorangegangene Kriterienwettkämpfe) so viele Punkte eingesackt, dass in Perth kaum noch viel schief laufen konnte. Dieses Polster machte die Situation für Philipp und Simon jedoch keineswegs einfacher. Denn damit entbrannte zwischen den Trainingspartnern ein ernsthafter Konkurrenzkampf um das begehrte einzige Ticket. Denn nominiert werden kann grundsätzlich pro Nation und Disziplin nur ein Athlet. Wie schön haben es dagegen Athleten in vielen anderen Sportarten, bei denen mehrere einer Nation an den Start dürfen und dies auch noch bei mehreren Disziplinen.
 
Mit schwerer Bürde auf abschüssige Pfade
 
Für Philipp lautete die Anforderung: In Perth mehr als sechs Platzierungspunkte besser zu beenden als Simon, der einen entsprechenden Vorsprung mitbrachte. Für Philipp war sein Rückstand natürlich eine enorme zusätzliche Belastung. Wir machten daraus allerdings bewusst kein Problem, obwohl Konstellationen denkbar waren, wonach bei Philipps noch so gutem Abschneiden sein Rivale Simon unter Umständen nicht zu schlagen sein würde. Philipp glaubte daran: „Sechs Plätze sind bei einer so hochkarätigen WM keine so große Differenz, wenn alles gut verläuft. … Das kann ich durchaus schaffen.“
Wie schmal und abschüssig allerdings ein Erfolgspfad im Hochleistungsbereich sein kann, wissen Spitzensportler meist schon aus eigenen Erfahrungen zu genau. Man denkt besser nicht daran. Es gibt keinen, der auf solchen grenzwertigen Graten nicht schon Absturzerfahrungen machen musste. Geringste Ungereimtheiten können sehr schnell fatale negative Ausschläge bewirken. Die Luft auf der höchsten Ebene ist eben ganz dünn – um es metaphorisch auszudrücken. Und ein paar unrhythmische Atemzüge können rasch eine Atemnot auslösen. Dies äußert sich dann konkret in noch akzeptablen zweistelligen bis schwer belastende Wettfahrt-Ergebnissen, schließlich in immer neuen Hoffnungsplänen. Und dann kann es schnell soweit kommen, dass du den Zug zusehends beim Davonfahren erlebst.
     
Wird uns „Fremantle Doctor“ beglücken -
und was wird wohl der 1. Tag bringen?

Philipp hatte sich für dieses wichtigste Event in seiner bisherigen Sportkarriere sehr gründlich vorbereitet. In den letzten sechs Wochen geschah dies nach einem eigenen individuellen sorgfältig ausgedachten Plan. Philipp war überzeugt: „ Es kann keinen Sinn geben, wenn zwei bis zum Schluss miteinander trainieren und danach um dieselbe Wurst kämpfen sollen.“
Kein Event empfanden wir bisher so spannungsgeladen. Nicht dass wir zur Nervosität geneigt hätten. Nein – das war es nicht. Unser Handeln war durchwegs von Routine und kühlen Köpfen geprägt. Trotzdem – das innere Gefühl war irgendwie doch etwas anders als sonst. Wichtige Fragen ließen sich nicht vollständig im Hintergrund verankern. Beispielsweise: Wird gleich der erste Tag positive Signale setzen? Dies kann - muss aber nicht - erste wichtige Schlüsselstelle für einen weiterhin günstigen Verlauf bedeuten.
Kein so positives Zeichen schien indes der Wind zu setzen, denn die berühmte Starkwind-Seabreeze „Fremantle Doctor“, auf die man sich während des australischen Sommers bekanntlich fast verlassen kann, war laut Wetterprognosen zunächst nicht in Sicht. Stattdessen mussten wir mit schräg ablandigem mittelstarkem und evtl. zunehmendem Gradientwind rechnen. Ein Wind, der auf sehr diffizile Art zum Pendeln neigen konnte. Dies irritierte uns trotz anderer Erwartungen natürlich nicht, und wir stellten die Taktik eben darauf ab.
 
Der Beginn – und das „Warum nur“?
 
In der ersten Wettfahrt gelang Philipp mit kleinen Fehlern im ganz üblichen Umfang alles einwandfrei. Er segelte in seinem Fleet (es gab 3 Fleets mit je ca. 50 Booten) als Sechster durchs Ziel. Das Bojen-Diagramm vermeldet zwischendurch sogar die vierte Position. Das war voll im grünen Bereich. Ein absolut zufriedenstellender Einstieg war das, einer zum kurzfristigen Aufatmen!
In der folgenden Wettfahrt unterlief Philipp auf der Hälfte der Startkreuz ein gravierender Fehler - ein Missgeschick, das irgendwann jedem Segler passieren kann. Auf die Frage „Warum jetzt?“, fanden wir keine Antwort. Was ist geschehen: In der Fernpeilung – zunächst sei die noch über rund 700 m entfernte unauffällige dunkelrote Tonne für ihn gar nicht zu sichten gewesen - nahm er dann versehentlich eine nicht zum Kurs gehörende Boje als Luv-Bahnmarke ins Visier. Die Folge war fatal. Philipp segelte verlustreiche Überhöhe und rundete schließlich als über 40. die richtige Luvmarke. Bis ins Ziel konnte er noch auf den 31. verwandeln. Das war ein erster schwerer Rückschlag, misslicher Weise schon zu Beginn des insgesamt sechstägigen Wettkampfes.
Auch wenn von insgesamt zehn Wettfahrten ein Ergebnis als schlechtestes später gestrichen werden kann, hat ein solches Zwischenresultat unweigerlich erste Folgen auf die Nachjustierung des Risikoplanes: „Es sollte / darf nichts Schwereres mehr vorkommen.“ Daran darf der mental gut geschulte Athlet so gut wie gar nicht denken. Aber trotzdem haftet ihm dennoch an – und das muss es auch; denn „Hop oder Top“ war in diesem Geschehen und zu diesem Zeitpunkt keine geeignete Strategie.
 
Ein neuer Tag, ein neuer Angriff.
 
Es wollte nicht zu 100 Prozent rund laufen. Ein zwölfter Platz in der ersten Tageswettfahrt (Race 3) war durchaus noch okay. Mit einem unbeschwerten und frecheren Start im Tal einer durchhängenden Startlinie wäre sehr viel mehr möglich gewesen. Philipp rundete erstmals im Luv als 22. und schaffte bis ins Ziel immerhin noch die zwöftbeste Zeit. Dies war gerade noch gut.
Unsere innere Stimmung trotzdem nicht gedämpft, sondern noch mehr vom Hoffen auf den explodierenden Durchbruch gekennzeichnet. Es durfte jetzt nicht mehr zu lange dauern.
Im folgenden Race konnte Philipp endlich voll und ganz einbringen was in ihm steckt. Mit seinem hervorragenden Windspeed fightete er bei 5 – 6 Beaufort mit Weltmeister Slingsby und dem Schweden Wigforss unangefochten an der Spitze des Feldes. Slingsby siegte und Philipp konnte Wigforss um nur wenige Meter nicht mehr schnappen. Platz drei, und das mit deutlichem Vorsprung zum Feld.
Trotz der guten Ausklangstimmung an diesem zweiten Tag wirkten die fortlaufend einstelligen Ergebnisse von Konkurrent Simon, der bisher und auch noch am nächsten Tag nicht in Philipps Fleet segelte, etwas bedrohlich. Wir schafften es aber recht gut, uns davon nicht beeindrucken zu lassen. Dies ist wichtig.
 
Wechselbäder der Gefühle
 
Am dritten Tag zu den beiden letzten Qualifying-Races schien sich zunächst der Schwung vom Vortag fortzusetzen. Philipp segelte bei gut mittlerer Windstärke einen souveränen Start-Ziel-Sieg. Die innere Erleichterung war unbeschreiblich. Es schien, als könnte sich ab jetzt das ersehnte Lot eingependelt haben und die Wende zum durchgreifenden Nachvorne vielleicht vollzogen werden.
Doch was noch vor der Wettfahrtpause und Lagebesprechung geschah, sollte leider nur ein Intermezzo sein.
Das fünfte Rennen führte uns schmerzlich vor, dass Philipp es alles andere als einfach haben soll, und dass das Quäntchen Glück bei ihm rar sein würde und stattdessen sogar Pech an seine Seite kehren soll.
Kurze Zeit vor dem Start baute Philipp das vorfixierte taktisches Konzept flink und mutig um, weil er im Last-Minute-Fernblick am weit voraussegelnden Fleet auffällige Wind-Linksdreher zu vernehmen glaubte. Diese Entscheidung war an sich goldrichtig. Offensichtlich wollte er jetzt folgerichtig nicht nur links starten, sondern auch noch – kein Risiko scheuend –in die Pool-Position (extrem links). Doch die Bemessung zum Startlinienende erwies sich als zu knapp – eine Folge der Eile und Entschlossenheit!? Philipp konnte zusammen mit mehreren anderen nicht regulär auf den Kurs. Er musste kurz nach dem Startsignal vor der Startboje abdrehen und auf dem Gegenbug ins Rennen. Das war der, abgesehen von Frühstart, der Start-Worstcase. Das Feld war weg, und dann ging es nur noch um bestmögliche Schadenbegrenzung. Und auch diese hätte gut und gerne glücklicher verlaufen können. Nun belastete ein weiteres sattes zweistelliges Resultat (27.) das Punktekonto endgültig schwer, denn sein Streicher war bereits seit dem ersten Tag verbraten.
Simon gelang es dagegen weiterhin, seine Wettfahrten mit einstelligen Ergebnissen zu beenden. Zu unserer Gefühlen kann ich an dieser Stelle schweigen. Die Stimmung war weiterhin absolut kontrolliert. Alles andere wäre natürlich wie Kannibalismus.
 
Die Dramaturgie war vorgezeichnet –
im negativen oder vielleicht noch positiven Sinne!?
 
Das Qualifying war nun, nach drei Tagen und 6 Wettfahrten, abgeschlossen. Erste schwere Erosionen an der Zielsetzung waren Realität. Uns war klar, die Chancen auf einen WM-Toplatz sind dahin und die Chancen auf Olympia sind gravierend geschwunden. Trotz aller schwarzen Wolken am Horizont haben wir die Hoffnungen im Ausscheidungskampf noch nicht begraben. Wie heiß es so treffend: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
Es ist bekannt, wie schnell sich das Blatt für jeden Segler unter Umständen wenden kann, wenn die nun bevorstehende dreifache Leistungsverdichtung im Goldfleet wirkt und unter Umständen die Bedingungen ihres dazu beitragen.
Der vierte Tag: Kein typischer heißer Sommertag, Wolken am Himmel, der Wind für ein hoch strapaziertes Selbstbewusstsein nicht günstig. Es war auch für heute keine Seabreeze a la „Fremantle Doctor“ zu erwarten, sondern ein Gemisch aus Großwetterlagen-Wind mit wahrscheinlich dazwischenhustenden Seabreeze-Einflüssen. Das alles in vorwiegend nur mittlerer Stärke und vor allem unruhig – mit anderen Worten: Schwierig und man braucht auch das Glück.
Wir setzten aufgrund unserer Wetter- und Windanalyse und Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen auf die rechte Kursseite der Startkreuz. Dies erwies sich über Zweidrittel der Kreuz als richtig. Philipp segelte an der Frontlinie des Feldes. Es sah perfekt aus. Er segelt nochmals – an sich kein größeres Risiko - ein Stück nach rechts. Dann, der Wind als Attentäter; er offenbarte sich wie ein Hexer. Absolut nur für die nächsten paar Restminuten der Startkreuz - so belegen auch die Tracking- und Windmessungsaufzeichnungen - vollzog der Wind Verstärker und Dreher um über 15 ° von links. Die Folge war glücklich für die einen und fatal für die anderen. Wer nicht von links auf die Luvmarke zukam, hatte das Rennen verloren. Denn jetzt segelte das Goldfleet. Es ist so gnadenlos im Abstrafen bei schon kleineren Fehlern. Was sich vollzog, war eine gewichtige Sache. Man hat selbst im Glücksfall nur bescheidene Möglichkeiten aufzuholen.
Thumbnail imageUm es zu komprimieren: Jetzt war die Zäsur da. Philipp hat noch nicht sofort, aber nach dem zweiten Vorwind aufgegeben. Ich habe das bei ihm, einer eigentlich faszinierenden Kämpfernatur, nur zweimal erlebt, zuletzt bei einem zermürbenden WM-Goldfleetrennen in Kanada. Was in diesen Minuten in einem Athleten innerlich abläuft, wissen nur wirklich Betroffene. Wie sich die traurigen und schweren Minuten einer endgültig besiegelten Niederlage vollzogen, wenn sich die Frontscheibe verdunkelt und der Rückspiegel weit öffnet, soll unserer Erinnerung vorbehalten bleiben.
Die Durch-und-durch-Anspannung war gerissen. Das war das einzige positive Gefühl. Ein Trost: Es war, wie wenn eine höhere Stimme klar machen wollte: „Philipp, schlag es dir aus dem Kopf! Nicht Du bist diesmal auserwählt!“ Es sollte wohl der um Jahre ältere Simon sein, der so etwas wie einen „Gang nach Canossa“ schon vor Philipp durchlaufen musste.
Was sich an diesem Tag im zweiten Goldfleet-Race im Detail ergeben hat (Platz 19 für Philipp) war und ist auch hier relativ unbedeutsam.
Wir waren um den bevorstehenden Pausetag froh. Es galt, einiges wenigstens irgendwie zu verkraften, was nicht zu bewältigen war. Von verarbeiten konnte zunächst überhaupt nicht die Rede sein. Schließlich musste erst einmal das Davonziehen eines großen Zieles in greifbarer Nähe emotional richtig gefasst werden, ein Ziel, auf das man mit enormem Aufwand langfristig hingearbeitet hat.
All das Gegebene, seitens des Sportlers und auch das der Förderer und Sponsoren, war natürlich nicht umsonst. Es war einerseits erfolgreich. Andererseits führte all der Einsatz „nur“ nicht zum erforderlichen Enderfolg, hat aber trotzdem schöne, große Früchte gedeihen lassen. Diese bleiben uns und können bei guter Nachreifung durchaus vielleicht später und anderswo mit Genugtuung gepflückt werden.
 
Kein versöhnliches Ende
 
Olympia in London und auch das WM-Finale in Perth durchkreuzten wir in unseren Blickfeldern, wenngleich uns diese verfehlten Stationen noch nicht gedanklich los ließen. Was über Jahre geknüpft wurde, kann natürlich nicht über Nacht gelöst werden. Trotzdem war Philipp rasch zum Plan b) bereit: „Ich werde den Kopf natürlich jetzt nicht in den Sand stecken.“ Er wollte sich trotz allen belastenden Ereignissen für diese WM in den letzten beiden Final-Races noch so gut wie möglich verkaufen.
Philipp erreichte die Plätze 29 und 13. Der 13. Platz muss, auch wenn er nicht einstellig ist, gebührend gewürdigt werde. Es herrschten erneut sehr kompliziert zu erfassende Windverhältnisse. Die Stärke zudem nur schwach bis mittel (2 bis 3 Beaufort). Auch die bisherigen Dominatoren, die ehemaligen und amtierenden Vizeweltmeister, Weltmeister und Olympiasieger wie beispielsweise Thompson, Slingsby und Goodison taten sich sehr schwer. Sie hatten um Positionen zwischen 10 und über 20 zu kämpfen.
Wäre bei der letzten Wettfahrt statt einem 29. Platz – der Start und die erste Kreuzhälfte verliefen einwandfrei – nochmals ein Top-Ten-Ergebnis herausgekommen, hätte es wenigstens noch einen versöhnlichen Abschluss gegeben.
 
Was bleibt neben einem unerfüllten letzten Herzenswunsch
 
Was von der WM blieb war noch das Zuschauen beim Medal-Race. Noch nie zuvor hatte ich eine solch beeindruckende Zuschauer-Kulisse bei einem Segelwettkampf erlebt, als die Laser-Klasse mit ihrem Finale die größte und perfektest organisierte WM aller Zeiten abschließend krönte. Tausende von begeisterten Fans säumten die fast 1 km langen Felsen-Molen mit Tribühnenplätzen vor dem „Centre-Course“. „Fremantle Doctor“ trug nur an diesem Abschlusstag das seine zu einem unvergesslichen Sportereignis bei.
Start, Ziel und Teile des Kurses lagen für die Zuschauer fast zum Greifen nahe. Man konnte teils sogar ohne Fernglas die Gesichtsausdrücke der Kämpfenden wahrnehmen, wenn sie ihre Wenden nur wenige Meter vor der Mole zogen und zum Schluss ihre Parade für die jubelnden Zuschauer absolvierten.

Der stürmische Beifall galt natürlich dem Inländer und erneuten Weltmeister und großen Segler Tom Slingsby. Er hatte für sich selbst und das Publikum ein bestechendes Medalrace abgeliefert. Nur wenige der Zehn hatten eine echte Chance, diesem faszinierenden Windsegler einigermaßen gut aufgeschlossen zu folgen. Er hatte noch die Zeit, sich dem Publikum mit Siegerposen zu erweisen, während er die letzten Minuten seines Downwind-Ritts zum neuen World Champion absurfte.

Ich hatte während dessen nur einen Wunsch. Ich hätte da draußen Philipp mit Slingsby fighten sehen wollen - so, wie sie es schon einige Male vorgeführt hatten. Das war ganz sicher auch Philipps Herzenswunsch. Ich glaube, nicht unberechtigt, und das hätte sehr spannend werden können.
 
Gratulation!
 
Simon wurde vom Engländer Thompson und Neuseeländer Murdoch vom Medaillenkurs verdrängt. Für Simon sicher auch enttäuschend. Aber er hatte schließlich das noch Begehrtere, nämlich das Olympiaticket, in der Tasche. Er hatte bei dieser WM die mit Abstand größte und bis dato gleichzeitig bedeutsamste Leistung seines Lebens erbracht. Wir gratulieren ihm dazu herzlich, auch wenn wir das gerne gehabt hätten. Gratulation aber auch an den würdigen großen Gewinner und die weiteren Medaillisten.
 
Danke
 
Was für mich von dieser außerordentlichen WM bleiben wird, sind beileibe nicht nur negative Erinnerungen. Dazu gehört schließlich auch, was sich im Vorfeld während der gesamten Kampagne für dieses in Perth beginnende Traumziel Olympia über mindestens zwei Jahre davor abspielte. Ich bin sehr dankbar für all diese schier zahllosen schönen, spannenden, hoffenden, nachdenklichen, nachforschenden, … und schließlich auch die enttäuschenden und bitteren Momente. Denn auch die letztgenannten sind irgendwann wichtige und nicht wegzudenkende Mosaiksteinchen.



Links:

Vor- und Tagesbericht

Interviev mit Philipp Buhl

Hinweise: Java muss im Browser installiert sein (geschieht automatisch auf Bestätigung). Ggf. bevorzugt Firefox-Browser verwenden.
Falls angegebener Link nicht durchschaltet, nach diesem Link das Menü "Worlds > Tracking" klicken usw.

Interessante Laser-Races bezüglich Philipp (GER 29):

Qualifying-Races: Fleet 2 - Race 4 Fleet 2 - Race 5 Fleet 2 - Race 5
Goldfleet-Races: Fleet 1 - Race 7 Fleet 1 - Race 9

Homepage WM Perth 2011

 


 

 

 


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