Philipp Buhl schlägt in Kiel zurück


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Kieler
Weltcup-Medaillensatz
mit Gold komplettiert.
 
Herzlichen Glückwunsch!
 
(Gesamtbericht)

Ein Allgäuer schreibt in seiner zweiten Heimat Kiel ein Stück Geschichte. Er gewinnt im Laser die Kieler Woche und setzt in dem mit Hochspannung erwarteten Finale einen beeindruckenden Sieg noch oben drauf. Philipp Buhl hat damit seine Kieler Weltcup-Medaillensammlung vervollständigt, die er als Junior 2010 mit Bronze begann, 2011 mit Silber fortsetzte und nun zielstrebig vergoldete. Die Verankerung des jüngsten Erfolges in den Annalen der seglerischen Erfolgsgeschichten erhält durch ein ganz besonderes Plus noch Verstärkung. Buhl gewinnt zur Goldenen nämlich auch noch das i-Tüpfchen, den historischen Roosevelt-Pokal. Diese vom ehemaligen US-Präsidenten im Jahre 1896 gestiftete Trophäe gewinnt jeweils der Kieler Woche-Sieger mit den wenigsten Punkten. Buhl schaffte es mit nur 11 Punkten.

 

Zwischenkommentar:

Eine derartige Leistung und was er sonst noch an faszinierenden Erfolgen auf die Reihe bekam, gelang in seinem Alter auch weltweit nur wenigen. Und hierzulande müssten wir besonders gründlich nach seinesgleichen suchen. Das zeigt, dass der Sonthofener nicht nur Talent ist. Er ist als Segler – so darf man allmählich feststellen - eine echte Ausnahmeerscheinung. Und dies zeigt auch, dass bei ihm von Kindheit an für den Aufbau seiner Sportkarriere sehr vieles goldrichtig gelaufen sein muss. Vieles lernt man nämlich nur zur rechten Zeit und später, auch mit noch so viel Anstrengungen, nie mehr.

Der Kieler Woche-Sieg signalisiert und heißt noch mehr. Buhl schlägt als Sparringspartner freundlich aber in der Sache hart und entschlossen an den Übergeordneten, den aktuellen Olympiastarter Simon Grotelüschen (Lübeck) zurück. Ein Jahr zuvor, als es in Kiel um die Olympiaentscheidung ging, bedeutete für Buhl die Silbermedaille eine herbe Niederlage wegen nur einer fehlenden Bootslänge an der Medalrace-Ziellinie: Der Lübecker gewann und punktete sich in den Vorsprung. Eine für die weitere Olympia-Qualifizierung (WM Perth) fortan währende Belastung für Buhl. Der mehrfach gesprochene Satz, „Es sollte mit Olympia einfach nicht sein!“, scheint sich immer deutlicher zu bestätigen. Buhl ist wieder der „alte“. Er hätte, hypothetisch betrachtet, bereits 2010 aufgrund seiner stabilen und herausragenden Ergebnisse klar die Olympia-Quali geschafft und auch für sich entschieden. Aber ausgerechnet im Qualifizierungsjahr 2011musste er trotz aller persönlichen Anstrengungen durch ein gewisses flaches Leistungstal, aus dem er heuer unübersehbar wieder herausmarschiert. 

Trotzdem sind wir der Meinung, Simon ist ein richtiger und verdienter Olympiakandidat. Wir wünschen ihm das Beste für die Spiele, nach Möglichkeit eine Medaille.

 

(Kiel Schilksee / Ostsee , 12/20.06.2012 (Text und Bilder: Friedl Buhl))

Nach den Qualifizierungswettfahrten am ersten Tag übernahm Buhl mit zwei ersten und einem zweiten Platz die Führung. So bewies er der Konkurrenz erneut seine Schlagkraft auch bei leichten bis mittleren Winden.

Doch am zweiten Tag kam Grotelüschen voll auf Touren. Er siegte prompt zweimal, und das bei starkem Wind, bei dem Buhl als der Gefürchtete schlechthin gilt. Er verbuchte „nur“ einen zweiten und dritten Rang. Das Zwischenklassement wies den Norddeutschen vor dem Süddeutschen aus, allerdings ohne Punktevorsprung. Buhl war an diesem Tag trotzdem schnell, aber wohl nicht zu 100 % konzentriert. Zunächst lief der Start nicht ganz perfekt und, so Buhl: „ Ich brauchte dann einfach zu lange, bis ich vom Feld weg kam.“ Die mühsam erkämpfte Führung ging letztlich auf dem Vorwindkurs wieder flöten, weil er eine anhaltende dezente Windverstärkung zu spät erkannte. Unkonzentriertheiten auch in der zweiten Wettfahrt: Eine Fehlpeilung erforderte kurz vor Rundung eine zusätzliche Wende (Verlust mind. 10 m). Bald danach stach sein Boot auf dem Vorwind in einem aggressiven Wellental ein. Buhl konnte zwar eine Kenterung vermeiden, füllte aber vorübergehend das Cockpit mit über 100 Liter Wasser. Grotelüschen war dadurch erstmal deutlich weg. Buhl konnte den Rückstand immerhin noch mehr als halbieren und so auch noch den zweiten Platz zurückholen.

Auch bei den folgenden zwei Goldfleet-Races am dritten Tag wehrten die beiden Deutschen die internationale Konkurrenz aus insgesamt 73 Startern aus 18 Nationen souverän ab. Und untereinander kämpften sie mit vollem Einsatz um den eigenen Vorsprung. Den gab es mit einem ersten und zweiten Platz für jeden erneut nicht. Es bestand weiterhin die Punktgleichheit mit Grotelüschen vor Buhl. Die Spannung blieb somit auf höchsten Level.

Am vierten Tag waren noch drei Rennen offen. Mangels Wind war leider keine Wettfahrt möglich und somit außer Aufs-Revier-Schleppen nichts gewesen.

Für die zehn Besten hing nun die endgültige Platzierung am Medalrace. Dieses wurde mit Blick auf die Spitzenreiter Buhl und Grotelüschen mit keiner geringeren Spannung als 2011 erwartet. Entscheidend für den Ausgang um den Gesamtsieg war nicht der Finale-Sieg, sondern mindestens ein mittelmäßiger Platz und vor allem, wer die bessere Platzierung einsegelt.

Buhl, dessen Medalraces vor allem 2011 weniger gut verliefen, hat offensichtlich relevante Komponenten verbessern können. Bereits in Hyeres gewann er. Und das Finale in Kiel hat er durch und durch vorbildlich und fehlerfrei gesegelt. Buhl war nicht sofort in Führung, aber er nahm sie sich bald von Grotelüschen, baute sie aus und kümmerte sich zunächst um das Wichtigste. Dabei büßte er die Vormachtstellung gegenüber Ryan Palk (Australien) ein, was durchaus normal war und auch relativ egal sein konnte. Auf dem letzten Vorwindstück Richtung Ziel konnte sich Buhl dann doch noch um das i-Tüpfchen voll ins Geschirr hängen und seinen letzten Angriff auf Palk entfesseln. Kurz vor der Ziellinie hatte Buhl ihn geschafft. Hauptgegner Grotelüschen schloss als fairer Verlierer an fünfter Position das Medalrace.

Damit gewann der Segler vom Alpsee das Finale und mit acht Punkten Vorsprung auch die Weltcup-Regatta vor Grotelüschen und Andrew Maloney (Neuseeland, WM-Dritter). Eine besondere Ehre wurde Buhl mit der Verleihung des Roosevelt-Pokals zuteil. Diese Trophäe gibt es (wie eingangs berichtet) für den Sieger mit der geringsten Punktzahl oder mit anderen Worten, für den Sieger mit der herausragendsten Leistungskonstanz. Karpak (Estland) aus der Finn-Klasse erzielte ebenso den Sieg mit nur elf Punkten. Unter Berücksichtigung des Streichergebnisses (Buhl strich einen dritten Platz) hätte er noch souveräner gesiegt, und auch bei den anderen Podestplatzierten hätte sich die Endposition nicht geändert. Bemerkenswert erscheint noch, dass Buhl der einzige war – und das auch bereits beim Weltcup in Weymouth – der über alle Zwischenklassements auf Podestplätzen (dieses mal nur eins und zwei) rangierte.

 

Links zu diesem Event:

Kurzportrait: "Kieler Woche Gewinner Philipp Buhl" (der weitere Link ist vor Ort zu klicken)
 

Medienecho:

 
 
 

Und zum Schluss noch ein Randblick:

Eine interessante Serie, sehr ähnlich wie beim Pfingstbusch, hat Buhls Mitbewohner Michael Zittlau (Überlingen) vorgelegt. Er belegte den hervorragenden 18. Platz, übrigens nur einen Punkt hinter dem besten deutschen Nachwuchssegler Fabian Gielen (Lindau). Der einst höchst ambitionierte Zittlau ist allerdings seit zwei bis drei Jahren zwangsläufig nur noch gelegentlicher Regattasegler (mit Spaß und Engagement wie immer), weil er als Junior das Tor in den Kader wegen ein paar Punkten knapp verpasste. Man darf sich die Fragen stellen: Was haben hier Verantwortliche schief laufen lassen? Ich bin fest überzeugt, eine Menge! Haben sie zu sehr nur Punkte betrachtet und den Sportler verkannt? Ich bin überzeugt, ja! Denn aus einem wie Zittlau wäre mit der nötigen Hilfestellung garantiert noch viel herauszuholen gewesen. So sind leider viel der investierten Ressourcen seitens Segler selbst und seiner Eltern vielleicht nicht umsonst gewesen, aber höhere Potentiale unüberlegt links liegen gelassen und letztlich zunichte gemacht worden.

Ähnliche Beispiele gibt es zuhauf – etwa der Schweizer, Christoph Bottoni, ein gelegentlicher Trainingspartner von Philipp. Er ist mit Abstand der beste schweizer Laser-Legler, rangiert zwar in der zweiten Garnison, hat aber durchaus noch Steigerungspotential und kann bewiesener Maßen – wenn alles sehr gut läuft – durchaus in die Weltspitze hineinpreschen. Warum darf er nicht zu den olympischen Spielen?? Das versteht kein Mensch!! Die Antwort ist ganz einfach, sagen die Entscheider: Der Athlet habe die von ihnen fixierten Quali-Punkte nicht erreicht. Es sei schließlich alles geregelt. So einfach ist das!? Genau und verantwortungsvoll betrachtet: So einfach sollte es eben nicht gehen dürfen. Die Funktionäre sollten dringendst bedenken: Sie selbst tun oft nur wenig dazu, der Athlet aber wirft wegen Olympia über Jahre seines Lebens alles Erdenkliche in die Waagschale. So gesehen sind solche Negativentscheidungen ein wohl unbewusster aber schwerwiegender Betrug am Athleten (trauriges Beispiel war auch Laser-Athlet Alexander Schlonski 2008). Diesbezüglich sind ärmere Länder oftmals Vorbilder. Sie schicken nämlich ihren Besten selbstverständlich hin. Sie tun damit ihrem Athleten Gutes und fördern zudem indirekt die betreffenden Sportdisziplin im eigenen Land (Vorbildfunktion) und international (mehr beteiligte Nationen).

 

 



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