Bei der Kieler Woche hauchdünn am Sieg vorbei

 ILCA7 GER191131 PhiKlahn 2

 Philipp Buhl: Olympia-Generalprobe gut - sehr zufrieden auch mit Silber ! !

(Kiel / Deutschland, 22./26.06.2024 -- Text: Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))

Sowie die größte Regatta Deutschlands, die Kieler Woche (KiWo), zu Ende ging, dauert es gerademal noch rund 4 Wochen bis zu den Olympischen Spielen.  Für Philipp Buhl war die Teilnahme eine letzte Leistungsform-Prüfung und gleichsam auch Wettkampfübung vor seinem nunmehr dritten olympischen Auftritt.   

Der erste deutsche ILCA7-Weltmeister von 2020 gewinnt auf der Kieler Förde die Silbermedaille. Das siebte KiWo-Gold in der olympischen ILCA7-Klasse der Männer verfehlt er nur denkbar knapp gegen den ebenso ersten französischen Weltmeister von 2022 sowie int. Trainingspartner und auch Freund Jean Baptiste Bernaz. Die Bronzemedaille nimmt der Norweger Hermann Tomasgaard (Olympia-Bronzemedaillist von Tokio 2020 bzw. 2021) mit nach Hause.

Dieses Dreiergespann im Rahmen int. Trainings wird demnächst auch in Marseille bei den olympischen Segelwettbewerben, wie jüngst bei der KiWo, wieder in Form von gegeneinander fightenden Kontrahenten antreten. Dies neben 37 Startern aus ebenso vielen weiteren Nationen, denn pro Land (begrenzt auf 40 Nationen) ist vom Weltseglerverband (World Sailing) nur ein Starter zugelassen.

Olympia-Nominierung
Das erfolgreiche Abschneiden in Kiel hatte für Philipp keine Auswirkung mehr für die Olympiaqualifizierung. Die hatte er schon zuvor souverän für sich entschieden. Doch seine offizielle Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erfolgte erst unmittelbar nach der KiWo. Zehn weitere Segler wurden nominiert. Zwei von insgesamt zehn olympischen Segelklassen mussten für Deutschland mangels Erfüllung der Leistungskriterien unbesetzt bleiben [Skiff 49er (Männer) und Dinghy ILCA6 (Frauen)].
Der für den Norddeutschen Regattaverein (NRV) sowie den Segelclub Alpsee-Immenstadt (SCAI) startende Philipp Buhl erzielte als einziger der frisch Nominierten zum dritten Mal das Olympiaticket.
 
Der Verlauf bei der KiWo
Als Einziger der deutschen Olympiaticket-Inhaber startete Philipp bei der Kieler Woche. Sein letzter Auftritt bei seiner Heimregatta lag terminbedingt vier Jahre zurück. Aber nun, ebenso wie damals vor den Spielen in Tokio, wollte es der zuvor bereits sechsfache Gewinner seiner Heimregatta nochmals genauer testen, wie’s mit seiner Leistungsform aussieht. Auch wenn nicht alle Weltklassesegler am Start waren, konnte er sich doch mit schnellen und durchaus schon immer wieder in der Weltspitze beachtlich mitmischenden Nachwuchssegler (103 Boote) aus 26 Nationen messen.

Die Weltklassesegler Bernaz und Tomasgaard, ebenso Olympiateilnehmer, waren für Philipp wohl die gefährlichsten Gegner und interessantesten Messlatten gleichsam. Natürlich ziele er vorrangig auf den Sieg oder einen weiteren Medaillenrang. Nach seiner vorsichtigen Prognose sollten wir Drei eigentlich in irgendeiner Reihenfolge die Podestplätze erkämpfen können, sagte der Oberallgäuer in einem Veranstalterinterview vor der Regatta.

Die drei Ergebnisse des ersten Tages waren trotz recht guten Windes gemischt: 3., und 2., aber mit einem kleiner Stolperer schlich sich auch ein 15. Rang mit ein. Absolut perfekt segelte indes Bernaz; er siegte dreimal. In der Zwischenbilanz kam Philipp zunächst auf den 5. Platz und vor Tomasgaard (6.) zu liegen.
Philipps Clubkamerad und Nachwuchssegler, Julian Hoffmann, erkämpfte sich im Parallelfleet gleich zum Beginn den hervorragenden 2. Platz.
 

Am Folgetag verabschiedete sich der Wind komplett und ließ auch erahnen, dass die kommenden Windbedingungen wohl nicht mehr berauschen sein würden.

Der dritte Tag bot dann wenigstens leichten, aber schwierigen Wind. Etwas mühsam konnte die Wettfahrtleiter zwei weitere Qualifying-Wettfahrten ins Ziel bringen. Eine sehr akzeptable Konstanz zeigte Philipp mit seinen Platzierungen 7. und 12.  Damit behauptete er sich nicht nur auf seinem vorläufig 5. Gesamtrang, sondern erzielte auch klar die beste Tagespunktesumme aller Segler vor ihm in der Zwischenbilanz. So mussten z. B. der Franzose und Norweger 36, bzw. 25 Punkte und eine sprungartige Erhöhung der Bruttopunkte hinnehmen, belegten aber zwischenzeitlich die Führungspositionen.
 

Wegen des vorangegangenen Flaute-Tages stand nur noch der vierte und einzige Tag mit sortierten Flotten in Gold und Silber zur Verfügung. Bei leichten bis später mittleren Winden konnte sich Philipp zunächst die Plätze 7 und 3 sichern und damit die beste Punktzahl im Vergleich zur gesamten Konkurrenz. Doch in der dritten Wettfahrt gab Philipp beim Zieldurchgang (an 36. Position) das Rennen auf, weil eine Kollision in der heißen Vorstartphase den Start total vermasselt hatte. Dies bescherte ihm zunächst den Verlust einer Position in der vorläufigen Gesamtwertung.

In der Zwischenbilanz vor dem Medalrace (MR) führte Bernaz (37 Punkte) vor Zac Littlewood (2., +10 P., Australien), Tomasgaard (3., +13 P.), Buhl (4., +13 P.) und Francisco Guaragna Rigonat (5., +19 P., Argentinien). Das am nächsten Tag mit Schwachwindprognose bevorstehende MR versprach Spannung und: Schafft es Philipp noch auf‘s Podium?
 
Ungewöhnliches und hochspannendes Finale
Beides traf ein, der Schwach-/Leichtwind sowie Turbulenz mit Spannung bis Sekunden vor dem Zieldurchgang aller Boote.
Nun kompakt zu den Highlights:
Alle starten korrekt, Lorenzo Brando Chiavarini (Italien) perfekt. An der ersten LUV-Marke liegt Philipp an Position 4, sein Hauptkonkurrent Tomasgaard an 2. und Bernaz an 7. Stelle. Auf dem Vorwindkurs verkürzt Philipp (3.) seinen Rückstand auf Tomasgaard (2.) von ca. 20 auf  ein Drittel. Dann erhielt Tomasgaard von der Jury eine Strafe wegen einer Regelverletzung (Einschränkungsregel 17) kurz vor der LEE-Rundung, um gegen Philipp die vorfahrtgebende Innenposition abzusichern. Er muss anschließend kringeln und Philipp übernimmt Position 2. Bernaz liegt zu dieser Zeit (etwa Halbzeit) auf der 9 (bzw. 2 gesamt) und Philipp auf Gesamtsieg. Der Schnellstarter und immer noch MR-anführende Chiavarini spielte Fight um die Medaillen keine Rolle.

In der Up-and Down-Runde behauptet sich Philipp auf dem 2. MR-Platz vor Tomasgaard (3.). Ob dies Philipp zum Gesamtsieg reicht, hängt ausschließlich vom Zieldurchgang von Bernaz ab. Nämlich, mindestens 8. oder evtl.  9. Während der letzten Runde schwankte dies hin und her. Nach der letzten LEE-Bahnmarke bzw. vor dem abschließenden etwa 300 m langen Raumschotkurs liegt Bernaz an 9. Position. Damit er auf nur mehr Silberkurs und Philipp auf Gold.

Doch die Situation, in der sich gewöhnlicherweise kaum noch etwas an den Platzierungen ändert, erfährt auf andere Weise eine die Medaillenvergabe entscheidende Wendung: Zwei Boote mussten wenige Meter vor dem Ziel wegen Regelverletzungen 360°-Strafkringel ausführen. Littlewood musste als zunächst Sechstplatzierter sogar nochmals rückwärts über die Ziellinie und die Strafe auszuführen. Nur infolge der beiden Penaltys (Bestrafungen) durch die Jury konnte Bernaz im MR von der normalerweise erzielten 9. Position auf die 7. gelangen. Somit blieb Philipp sein oberstes Ziel, ein siebter KiWo-Sieg, Sekunden vor dem Ende nur um Haaresbreite verwehrt. „Der 2. Platz ist auch sehr okay. Bin mit meiner abgerufenen Performance recht zufrieden.“, resümierte Philipp am Schluss.

Damit besetzt – so wie es Philipp schon vor der Regatta erahnte und zurückhalten auch öffentlich vorhersagte – das Trio aus Frankreich, Deutschland und Norwegen das Podest:
Goldmedaille für Bernaz, Silber für Buhl (+3 P.) und Tomasgaard (+5 P.).
 
G r a t u l a t i o n den Medaillisten,
und den weiteren Top Ten-Platzierten
Weitere Platzierungen:
4. Francisco GUARAGNA RIGONAT  (+19 P., Argentinien), 5. Zac Littlewood (+22 P., Australien), 6. Lorenzo Brando CHIAVARINI (+24 P., Italien), ... 10. Nico Naujock (Deutschland), ... 12. Ole Schweckendiek (Deutschland), ... 16. Justin Barth (Deutschland), ... 22. Julian Hoffmann (Deutschland), ... und drei weitere deutsche Segler im Goldfleet (bis   Rang 52).
 
ILCA 7 podiumKlahn 2
 
Ergebnisse ...
- nach 3 Races bzw. 1. Tag  (3 Qualifying-WF)
  (Mangels Wind keine Wettfahrten am 2. Tag)
- nach 5 Races bzw. 3. Tag  (5 Qualifying-WF)
- nach 8 Races bzw. 4. Tag  (5 Qualifying- + 3 Finalserien-WF)
- nach 9 Races bzw. 5. Tag  (5 Qualifying- + 3 Finalserien-WF + Medalrace)
 
Links:

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