YAC: Alles in allem ein großer Gewinn

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„All in Racing“-Team

mit Skipper Philipp Buhl 

auf dem neunten Platz

 
 
 
 
(Gesamtbericht) 
  

 

 

Der erstmalige Youth America’s Cup (YAC) ging als beeindruckendes, spannendes und medienwirksames Event zu Ende. Skipper Philipp Buhl aus Sonthofen und seine sechs Mannschaftsmitglieder können viel Positives verbuchen: Unvergessliche schöne Zeit, mengenweise Neues hinzugelernt, breite Palette weiterführender Erfahrungen, interessante Einblicke und wichtige Kontakte zur wirklich professionellen Welt des Segelns, Segeln auf einem der windbesten Reviere der Welt. Und nicht zuletzt das faszinierende Segeln in der unglaublich coolen und extrem sportlichen Multihull-Rennmaschine „AC45“, zu der man Vergleichbares außerhalb des America’s Cup-Umfeldes nirgends auf der Welt finden würde.

Die YAC-Veranstaltung für talentierteste Segler zwischen 19 und 23 Jahren hatte die deutsche Mannschaft über Monate im Voraus intensiv gefordert. Steinig und aufwendig wurde der Weg vor allem nach dem Rückzug des ursprünglichen Schirmherrn-Gespanns STG/NRV. Denn das Team (später als „All in Racing“ umgetauft) wollte trotzdem beim Cup starten, war nun aber komplett auf sich allein gestellt. Die Mannschaft hatte folglich zunächst keinen Geldgeber mehr, kein Management im Background und war schließlich bis zum Schluss nur notdürftig und sporadisch auf dem Land und zu Wasser vom Mannschafts-Ersatzmann betreut worden. Mit diesen außerordentlichen und erschwernisvollen Zusatzaufgaben hatte keine andere Mannschaft zu kämpfen. Sie konnten den Schwerpunkt auf ein sehr viel umfangreicheres und extern gestütztes professionelles und spezifisches Wasser-Training legen.

Betrachtet man diesen Hintergrund, wird klar, dass es den Deutschen nicht mehr vorrangig um eine Top-Platzierung gehen konnte. Hauptsache zunächst, sie waren mit dabei. Obwohl der sportliche Ehrgeiz der Mannschaft sehr hoch war, formulierte Buhl die Zielsetzung für sein Team dennoch mit gedämpftem Optimismus: „Unter die besten Fünf zu segeln, wäre schon sehr gut.“ und schließlich „Ein Podestplatz ist eigentlich unmöglich.“ Ersegelt hat das Team den neunten Platz von insgesamt zehn Teams. Mit diesem Endergebnis waren Buhl mit seinen Mannen nicht zufrieden. Denn sie fühlten zu Recht, dass doch deutlich mehr möglich gewesen wäre. Sie hatten das in einzelnen Wettfahrten und zahlreichen gut gelungenen Abschnitten über’s gesamte Event bewiesen. Aber sie hatten leider auch nicht das berühmte Quäntchen Glück auf ihrer Seite und resultierten unter ihren Möglichkeiten. Mit Blick auf ihre beachtliche Gesamtleistung hat sich All in Racing jedoch nicht unter Wert verkauf.

Die Spitzenplatzierungen gingen an Neuseeland (1. und 2. Platz) vor Portugal (3. Platz). Das favorisierte Team „American Youth Sailing Force“ kam hinter „Team Tilt“ aus der Schweiz auf Platz fünf zu liegen.

 
 

(San Francisco, 01./04.09.2013 (Text: Friedl Buhl, Bilder: Siehe jeweiliges Copyright))

YAC – ein großer Erfolg!

Im Vorfeld des Youth America’s Cup waren aus der Seglerwelt neben den Befürwortungen auch kritische und negative Äußerungen zu diesem Event bzw. den modernen Segelgeräten AC45 und mehr noch AC72 zu hören. Bezweifelt wurde insbesondere auch, ob das klassische seglerische und taktische Können auf den schnellen Katamaranen noch eine angemessene Rolle spielen würde. Wer die Übertragungen im Internet und in Servus TV gesehen hat, wird bestätigen, dass diese Bedenken nicht zutrafen.

AC45 verlangt Einsatz bis ans Limit

Die Segeltechnik auf den AC45ern verlangt von der Mannschaft äußerste Präzision und perfekte Beherrschung der Handlings und dies in exakter Team-internen Abstimmung. Beim Start sowieso, ebenso bei den Manövern und beispielsweise auch beim Trimmen des Wings als dem wichtigsten Vortriebselement. Und all dies gerade wegen der hohen Geschwindigkeit. Jeder im Team muss flink, voll konzentriert und teils äußerst kraftvoll (z. B. Flügeltrimmer) agieren. Ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit und Athletik ist Grundvoraussetzung. Buhl erklärte im Interview des SPORT 1-Kanal: „Und es herrscht Starkwind, das heißt, man ist immer körperlich am Limit unterwegs. Es ist eine Kombination aus allem, was man sich an Schwierigkeiten vorstellen kann.“

Die Taktik und Revierstrategie verlangt klare und natürlich möglichst stimmig geplante Konzepte. Denn jede Wende und Halse läuft auf Kosten zurückgelegter Wegstrecke.

Unglaublich waren die engen und heißen Rundungsmanöver trotz der nur zehn Booten, besonders am ersten Luv-Gate bei Höchstgeschwindigkeit (Halbwind-Startkurs statt Startkreuz). Das Feld blieb teils relativ eng zusammen. Damit kam es in jeder Wettfahrt zu zahlreichen Positionswechsel und auch Nahkämpfen. Für große Spannung war damit vom Start bis ins Ziel gesorgt, auch wenn die jeweiligen Sieger gegen Schluss häufig uneinholbar voraussegelten.

Leistungskonstanz nur mit viel Übung

Wer in den einzelnen Wettfahrten unter den ersten Fünf sein wollte, musste die komplexen Anforderungen ohne größere Fehler bestehen. Keine Mannschaft segelte nur vordere Plätze. Auch die am Schluss Besten beendeten ihre Wettfahrten zwei- bis dreimal in der zweiten Hälfte oder teils sogar im letzten Drittel - ein Beleg auch dafür, wie gut alles geübt sein musste, um seglerische Unzulänglichkeiten oder gar größere Fehler zu minimieren.

Der deutschen Mannschaft gelangen immerhin drei Ergebnisse unter den besten fünf. Eine seglerische und taktische Glanzleistung lieferte All in Racing in der fünften Wettfahrt (3. Platz) ab, als sie an der letzten Bahnmarke in einem spektakulären Manöver noch die Schweden überholten und zeitweise sogar der heiß ersehnter Sieg nicht mehr unmöglich schien. Dabei war in dieser Wettfahrt der Start nicht berauschend. Neben einigen misslungenen Starts vollbrachten sie aber auch sehr gute und waren am ersten Kriterium (1. Luv-Gate) mehrfach an dritter Position. All in Racing hatte jedes Team mindestens einmal besiegt. Nicht zu vergessen ist das gewonnene Speed-Race der Deutschen am Vortag des Cups. Skipper Buhl und Steuermann Heil konnten mit ihrer Crew also durchaus mit den Besten mithalten. Allerdings war das Team für die nötige Konstanz nicht weit genug gereift und abgeklärt. Dies jedoch ist unter Einbeziehung des zugehörigen Background voll und ganz verständlich.

Die besonderen Handicap der Deutschen

All in Racing war als einzige Mannschaft auf sich allein gestellt. Das Team durchlief nach dem STG/NRV-Rückzug ein Wechselbad der Gefühle, musste trotz bestens bestandener Qualifikation um ihren Start bangen, schließlich in Eigenregie Monate vorher unter großem Zeitdruck das nötige Budget von € 50.000 und im Nachtrab nochmals € 50.000 auftreiben, was dankenswerter Weise mit Unterstützung zahlreicher Gönner und Sponsoren sowie Eigenbeiträge. Das Team hatte für’s Training und das Rennen keinen Couch und sonstige Betreuer an seiner Seite – eine sehr große Erschwernis. Sein Trainingsumfang beschränkte sich nach dem Qualifikationsevent im Februar mit etwa zwei Wochen unmittelbar vor dem Cup auf bescheidene zwei Wochen. Und dabei war die Mannschaft auf autodidaktisches Lernen angewiesen, was grundsätzlich nur bedingt gelingen kann und in erster Linie Skipper Buhl und Steuermann Heil zusätzlich forderte und belastete.

Die anderen Teams hatte diesbezüglich eine wesentlich einfachere Situation. Vor allem die Topteams hatten angeblich bis zu 150 Wassertage auf dem Plan, wohnten teils vor Ort, lernten damit auch die Revierbesonderheit (typische Windfelder, einflussreiche Tidenströmungen) besser und sicherer kennen, genossen den professionellen Support erfahrene Trainer und Betreuer aus dem Umfeld des America’s Cups, hatten sicher weniger Geldsorgen oder Organisationsaufgaben bis ins letzte Detail selbst zu erledigen.

Sportlicher Erfolg nur eine Sache

Vor diesem Hintergrund verdient die periphere und nicht weniger auch die sportliche Leistung von All in Racing trotz ihres neunten Ranges größten Respekt. Das Endresultat hatte das Team sicherlich etwas besser erwartet, wenngleich Buhl eine Spitzenplatzierung bereits vor Beginn nicht für möglich hielt. Auf das Resultat kam es den deutschen Jungs nicht vorrangig an. Sie wollten partout das für sie einmalige und neuartige Projekt, in frühen Lebensjahren in den professionellen Kreis des America’s Cup hineinzuschnuppern, sich dort vorzustellen und zu beweisen, entschlossen durchziehen und dabei notfalls durch dick und dünn gehen. Das ist ihnen eindrucksvoll gelungen. Dabei konnten sie ihre Lernfähigkeit weiterentwickeln, wertvolle Einblicke und Erfahrungen in Management und Teamarbeit sammeln, Segeltechniken und Taktiken auf anderer Ebene probieren und üben. All das und noch viel mehr war ein riesiger Gewinn für die jungen Talente, was ihnen bei ihren weiteren seglerischen Aktivitäten helfen wird, und zwar auch in den olympischen Segelklassen. Mit Reinfall auf einen PR-Gag oder mit einem unverantwortbar hohen Verletzungsrisiko, wie von deutscher Funktionärsseite zu hören war, hat die Unternehmung von All in Racing wohl nichts zu tun gehabt. Das haben die Jungs zuvor eindeutig realistischer eingeschätzt.

Ausblick

Vielleicht sollte man den Blick nun noch etwas weiter spannen. Das „All in Racing“-Team und indirekt alle seine Unterstützer haben der deutschen Segler-Community und ihren Fans zweifellos einen positiven Dienst erwiesen. Mit der Teilnahme Deutschlands im Umfeld des prestigeträchtigen America’s Cups hat der Segelsport hierzulande über die sehr eindrucksvollen medialen Darstellungen einen deutlichen Impuls erfahren.

Den Youth America’s Cup wird es höchstwahrscheinlich weiterhin geben. Denn er war ein absoluter Erfolg. Und zudem sollen über diese neue Einrichtung künftig jüngere Talenten rekrutiert werden. Die bis dato gewichtigen Kriterien für einen möglichen Einstige in den AC, wie etwa zigfacher Weltmeister und mehrfacher Qlympiasieger werden tendenziell an Bedeutung verlieren. Deutschland wird allerdings lange warten müssen, bis zukünftig ein eigenes Team unter einem vergleichbaren Hürdenlauf wie der von All in Racing wieder an den Start kommt. Hierzu bedürfte es einer entschlossenen und durchgreifenden Unterstützung der Athleten anstatt eines Rückzugs nach anfänglicher Begeisterung. Die Initiatoren und ursprünglichen Schirmherrn von All in Racing (damals noch STG/NRV-Team genannt) verdienen Lob für ihre Ouvertüre. Aber was ihre Gangart für den Hauptteil betrifft, haben sie einen großen und nachhaltigen Fehler begangen. Sie machten sich letztlich vor allem die Sorge, aussichtsreiche Olympia-Kandidaten frühzeitig an den America’s Cup zu verlieren. Sicherlich nicht ganz auszuschließen. Allerdings hätte man im selben Atemzug nicht übersehen dürfen , dass ambitionierte jugendlichen Segler für das Leistungssegeln künftig zusätzlich zu gewinnen sein dürften, wenn mit einem möglichen Seiteneinstieg in den Americas’ Cup eine realistische und vor allem weitere Perspektive winkt, die so verlockend und im Erfolgsfall weit lohnender ist wie Olympia.

Dazu Philipp Buhl im Rahmen seiner geschilderten Eindrücke zum AC-Umfeld und Segeln in den Renn-Katamaranen AC45 und AC72 nach der erfolgreichen Qualifizierung im Februar in San Francisco: „Von all dem habe ich einen so guten Eindruck gewonnen, dass ich es unbedingt eines Tages in den America’s Cup schaffen möchte.“

 

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