Mitreißender fianaler Fight unter Weltmeistern

Buhl gegen Scheidt: amtierender WM-Champ besiegt den mehrfachen.
Philipp Buhl, zeitnah auch "Sportler des Jahres" von Hamburg,
erkämpft am letzten Tag die Gesamtführung.
 
(Gesamtbericht: Zuletzt aktualisiert am Mo., 11.05.2021)
 
(Vilamoura / Algarve, Portugal, 19. / 24.04.2020 -- Text ©: Von Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))
Wie nicht selten zuvor, gestaltet er den Regattaverlauf spannend. Indem er das Blatt erst ganz zum Schluss nochmals wendet. So beispielsweise auch bei seinem sechsten Kieler Woche-Sieg 2020.
Nun in Vilamoura an der Algarve, bewegte sich Philipps Zwischenbilanz fortwährend etwa mittig der Top Ten-Gruppe. Und somit am Puls des Geschehens um die Spitzenränge. Am vorletzten Tag hieß es dann: 1. Michael Beckett (England), 2. Robert Scheidt (Brasilien), 3. Philipp Buhl usw. 19 Punkte fehlten ihm zur Führung und 5 zur Segellegende Scheidt.  Kein geringer Rückstand und doch noch überschaubar. Allerdings nur unter der Voraussetzung einer Topleistung am Schlusstag war der Gesamtsieg noch machbar.
Und schließlich gelang es dem Oberallgäuer in eindrucksvollem, erbittertem Kampf bei kräftigem bis starkem Wind und gegen hohe Wellen seine Hauptgegner zu dominieren. Mit einem 2. Platz in der 11. Wettfahrt und einem fulminanten Sieg im 12. und letzten Race gewinnt er die Regatta und verweist Brasilien und England auf die Plätze. Congratulation!
 
 Hamburgs „Sportler des Jahres“ ...
... als schöner überraschender Vorspann für die bevorstehende Regatta.
 
Bereits in der Vorbereitungsphase zur World Cup Ersatzregatta (wegen Corona) an der südlichen und windreichen Atlantikküste Portugals erfuhr Philipp in der Ferne von einem schönen Erfolg. Der amtierende Weltmeister und Mitglied des NRV Olympic Teams (NRV:= Norddeutscher Regattaverein, Hamburg) wurde im Rahmen der Hamburger Sportgala von einer Experten-Jury als Sportler des Jahres auserwählt. Als Bayer in Hamburg auserwählt - das will doch wirklich etwas heißen.
Damit ist Philipp aufgrund seines für Deutschland historischen WM-Sieges 2020 in Melbourne (Australien) zum zweiten Male als Top-Sportler gewürdigt worden: Im Januar als nationaler Segler des Jahres (hierzu Bericht auf Philipps Webseite) und jüngst für Hamburg sogar als Sportler des Jahres.

Im Hamburger Sportgala-Interview sagte Philipp, zugeschaltet aus dem Trainingslager und den Regattavorbereitungen in Vilamoura (Portugal): „Das ist eine schöne Ehre für mich, Hamburgs Sportler des Jahres zu sein, vielen, vielen Dank“.

Links zu einigen Beiträge hierzu:

Zurück zur Regatta in Portugal

Am Start waren 139 Boote aus  40 Nationen. Sieht man von den ca. 3 ... 5 abwesenden Seglern aus Australien und Neuseeland ab, war die Leistungsdichte mit einer WM vergleichbar.  
Aus Deutschland waren noch 3 weitere Segler am Start: Philipps Kaderkollege Nik Aaron Willim (NRV), Nachwuchstalent und Philipps Clukamerad Julian Hoffman (SCAI) und Till Wanser (NRV).  

Der Auftakt gelingt Philipp mit einem 2. und anschließenden 10. Platz gut und für ihn auch zufriedenstellend. Die Zwischenbilanz wies ihm zunächst den 6. Platz zu.

Ergebnisse nach 2 WF bzw. 1. Tag

Am 2. Tag lief auch nicht alles ganz glatt. Mit dem 14. Rang im ersten Rennen war Philipp wohl nicht besonders zufrieden. Jedoch rehabilitierte er sich mit einer 3. Position in der anschließenden Wettfahrt. Er verbesserte sich in der Zwischenwertung auf Rang 3, mit geringem Rückstand zum führenden Filip Jurisic (Kroatien).

Ergebnisse nach 4 WF bzw. 2. Tag

Zum Ende der Qualifying-Serie, am 3. Wettkampftag, resultierte für den Sonthofner sein zunächst bester Tag: 10. Platz, plus - und das ist immer etwas Feines - anschließendem Wettfahrtsieg. Als Fünftplatzierter zog er schließlich ins Goldfleet (beste Gruppe aus 70 Booten) ein. „ ... und der Rückstand ist (mit nur 5 Punkten) sehr überschaubar. Das ist doch eine wunderbare Ausgangsposition.“ resümierte Philipp bei seiner abendlichen Rückmeldung.
Ganz vorne hielt sich immer noch Jurisic, vor dem Engländer Michael Beckett und dem Brasilianer Robert Scheidt.

Von den Deutschen konnten sich Willim (42.) und auch Hoffmann (64., musste wohl etwas um die Quali bangen) auch für die beste Flotte qualifizieren. Wanser musste sich mit der Gruppe in der 2. Reihe (Silber-Flotte) zufriedengeben.

Ergebnisse nach 6 WF bzw. 3. Tag

Halbzeit! Und nun in die verdoppelte Leistungsdichte im Goldfleet

Zum Auftakt in die Finale-Serie erwartete die Segler erneut eine lokalthermische Seabreeze der Stärke leicht bis mittelmäßig (8-10 kn) und gehörig richtungsschwankend. Philipp erwischte ein länger anhaltender Winddreher, auf den er auf seiner gewählten Kursseite nicht mehr positiv reagieren konnte. Die Folge war eine niederdrückende Position von über 40 an der 1. Luvmarke bzw. nach der Startkreuz. Immerhin  konnte sich der Gebeutelte auf den noch verbleibenden 6 Kursabschnitten bis ins Ziel auf den 29. Platz verbessern. Bei leichtem Wind alles andere als leicht zu meistern.
Dieser Patzer sollte Gott sei Dank das endgültige Streichergebnis (schlechtestes Ergebnis) bleiben. Dass bei 12 geplanten Wettfahrten nur ein einziger Streicher festgesetzt war (i. d. R. sind 2 vorgesehen), stellt ein eher ungewöhnlich strenges Bewertungsformat dar.

Auch die anschließende Wettfahrt verlief bei Philipp nicht berauschend (10.). Jedoch war dies aufgrund der sehr schwierigen Windbedingungen dennoch zufriedenstellend. Auch die Führungsgruppe hatte es teils erheblich geschleudert. Die veränderte Reihenfolge lautete nun: Beckett, Jurisic, Tonci Stipanovic (Kroatien) ... Scheidt (5.), Buhl (6.).

Ergebnisse nach 8 WF bzw. 4. Tag

Auch am 5. Tag sollte bei Philipp ein gewisses Auf und Ab der Resultate, wie schon an den Vortagen, kein Ende nehmen. Dabei ist allerdings Philipps zunächst 20. Platz trotz gutem Wind vermeidbaren Fehlern, zumindest einem gewichtigeren, geschuldet. Für ihn realistisch vermeidbar (oder auch Leichtsinns-Fehler (?)), das tröstet und hilft gleichzeitig für’s Nächste. Die Kompensation erfolgt prompt durch einen überzeugenden 2. Rang danach.

Am Vortag der Entscheidung weist die temporäre Gesamtwertung Beckett vor Scheidt und Buhl (+19 bzw. +5 Punkte Rückstand) Und nur einzelne Punkte dahinter Jurisic,  Perez Rodriguez (Spanien) und Jean Baptiste Bernaz (Frankreich).

Philipp durfte für den morgigen finalen Tag nur nach vorne und nicht auf seine harten Verfolger scharf stellen, um sein Ziel zu erreichen. Verteidigung seines 3. Podestplatzes war sicherlich nicht sein erstrangiges Ding.

Sehr spannender harter Endkampf

Die Spannung um die hart umkämpften Spitzenplätze war enorm. Die Windbedingungen sehr gut: Kräftiger bis starker Gradient-Seewind aus der Bucht von Cadiz,  stattliche Windwellen und dazu ene über 3 m hohe querlaufende Dünung. Segeltechnisch wirklich schwierig und höchst anspruchsvoll. Vor allem auch gegenüber den Kräften, der so wichtigen Ausdauer auf der Kreuz usw. Gefragt war im Athlethen der  entschlossene Kampfgeist für das „Jetzt alles in die Waagschale!“.

So mag er es, der amtierende Weltmeister: in der Jagdstellung bei für ihn sympathischen Bedingungen. Und nun auch noch gegen den bis dahin knapp noch vor ihm platzierten Weltmeister und Olympiasieger aus Brasilien (natürlich neben all den anderen gefährlichen Gegnern). Das einstige große Vorbild für den damaligen Youngster vom Alpsee. Und auch heute wird dem Robert eine sehr hohe sportbezogene Anerkennung und Wertschätzung von Philipp zuteil. Aber auf dem Wasser sind sie gnadenlose und mitunter sicherlich auch gegenseitig gefürchtete Rivalen. Welch einzigartige und emotionale  Wendungen in all der Zwischenzeit.

Nach meiner Betrachtung: Bei solchen Bedingungen muss der Jüngere nach all den Jahren den unbestritten ganz Großen, die Laser-/Segler-Legende schlechthin,  nicht mehr sehr fürchten – allerdings auch niemals unterschätzen. Scheidt ist ein hocherfahrener Segler und herausragender Könner auch heute noch.

Bereits bei der 11. Wettfahrt spielten die Windspezialisten klar die erste Geige. Die  Spannung stieg. Die Tore auf die Podiumsplätze öffnenten sich weiter:
1. Kaarle Tapper (Finnland, [nach 10. WF 17.]), 2. Buhl [3], 3. Scheidt [2.] ... 8. Bernaz [6.] ... 18. Beckett [1.] ... 29. Rodriguez [5.], 30. Jurisic [4.].
 
Die Abstände vorne sind somit erheblich geschmolzen. Damit einhergehend spannende Verschiebungen in der Zwischenbilanz:
Nun 1. Scheidt (71 Punkte), 2. Beckett (72 P.), 3. Buhl (75 P.), 4. Bernaz (85 P.).
 
Um die abschließende Podiums-Rangfolge war nun alles völlig offen und das entscheidende Rennen eröffnet.
Was man mit Worten nur schwerlich beschreiben lässt, sollte man Bildern überlassen:
videoschalter gesamtRechts im Bild der Video-Link zur 12. und finalen Wettfahrt
(Kurze Video Stream-Navigation: Männer ab ca. 1:44:30, zunächst 2 General Recalls, offizieller Start dann ab ca. 1:59)
    ... sehr sehenswert!
  Endresultate
Der World Campion schafft mit faszinierendem Einsatz den finalen Wettfahrtsieg und zudem mit Abstand die Tages-Bestleistung. Er gewinnt damit auf dem erstklassigen Segelrevier vor Vilamoura die hochkarätige Laser-Regatta, die einer WM kaum nachsteht. Und er bezwingt auch den Olympiasieger. Der erkämpfte sich in sehr beachtlicher Manier und Topform den 2. Platz (6. in der Finalwettfahrt). Mit der 3. Position musste sich der über längere Zwischenzeit führende Beckett zufrieden geben.

177336850 n 3Dazu am Rande noch eine fiktive Betrachtung: Scheidt wurde von Philipp schlussendlich nur um 1 Punkt (bzw. im Falle der Punktgleichheit um 2 Punkte) des Sieges verwiesen. Philipp hätte jdoch ohne Einrechnung des Streichergebnisses das Event  klar gewonnen, und zwar vor Beckett (2., + 8 P.) ... Scheidt (6., + 43 P.).

177973285 n 3In der Klasse des Flying Dutchman, Jahrzehnte lang olympische Zweimann-Jolle und Vorgänger des olympischen Lasers ab 1996, wurde die streicherlose Bestleistung und damit der strengere und eigentlich höherwertige Sieg zusätzlich mit dem Mexican Hat gewürdigt. Der als Silber-Trophäe gefertigte Sombrero-Hut war im Prinzip kaum weniger begehrt wie der offizielle Sieg. Ohne Streichergenis zu gewinnen, drückt nämlich die brillianteste Leistungskonstanz aus.
Philipp, diese Trophäe kannst Du dir wenigstens symbolisch noch zusätzlich aufsetzen. Und das steht dir, als am Rande FD-Liebhaber, auch zu und gut an.

Die weiteren Platzierungen: 4. Bernaz (Frankreich), 5. Stipanovic (Kroatien), 6. Elliot Hanson (England), 7. Charlie Buckingham (USA),  8. Jurisic (Kroatien) ... 53. Willim ... 62. Hoffmann ... 119. (bzw. 49. Im Silverfleet) Wanser.

Beste Wettfahrten von Willim 11. (im Qualifying), Hoffmann 23. (im Goldfleet). Beide Einzelergebnisse beachtlich.
Und in der U21-Wertung belegte Hoffmann den hervorragenden 1. Platz von 34 Konkurrenten. Gratulation!

Endergebnisse nach 12 WF bzw. 6. Tag

176845299 2

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