Philipp Buhl "Segler des Jahres"


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Warum er
das verdient hat:
Fakten und
Hintergründe
   

 


Erfolgreiche Athleten können sich mehrfach freuen. Zunächst über ihre gute Leistung, dann auf die Siegerehrung, vielleicht noch über eine besser Position im Team oder ein (wenn auch nur bescheidenes) Preisgeld. Einen besonderen Anerkennungs-Lohn für den Atheten stellen die Würdigungen im Rückblick über die gesamte Saison dar.

So konnte sich der Sonthofener Sportsoldat Philipp Buhl über eine außerordentliche Ehre freuen. Er wurde im Rahmen des Sailing Team Germany Award 2013 mit dem Hauptpreis, „Segler des Jahres“, ausgezeichnet. „Das kommt für mich jetzt doch überraschend. Es ehrt mich sehr, als bester Segler des Jahres zu gelten. Danke an alle, die mich gewählt haben“, sagte Buhl während seines Einsatzes beim Red Bull Youth America’s Cup in San Francisco, als er aus Hamburg von seiner Preisverleihung erfuhr.

Für seine herausragende Saisonsleistung erhielt Buhl auch vom Bayerischen Seglerverband im Rahmen der alljährlichen Meisterehrung Lorbeeren: Ehrennadel mit Kranz in Gold.

Und auch der Segelclub Alpsee Immenstadt (SCAI) feierte sein seglerisches Aushängeschild mit vielen Gästen, Fans bei zünftiger Musik. Diese Ehrung kam zeitnah zum Erfolgshöhepunkt, als die Sensation feststand, dass der Allgäuer den ersten deutschen EM-Titel im olympischen Laser gewonnen hatte.
 
 

(Hamburg, 15.02.13, Ottobrunn, Immenstadt , 2012 / 13 (10.03.2013: Text u. Bilder: Friedl Buhl)

Von seiner Nominierung zum „Segler des Jahres“ wusste Buhl. Was ihm 2012 gelang, charakterisierte er mit den Worten: „2012 ist das bisher erfolgreichste Jahr meiner Karriere.“ Dass der Ausnahmesegler aber ausgerechnet im olympischen Jahr als Olympia-Nichtteilnehmer die Krone des besten deutschen Seglers aller olympischen Klassen aufsetzen darf, war von ihm nicht erwartet worden, aber keineswegs unverdient und von der Jury offensichtlich fein säuberlich abgewogen worden. Umso größer war die Freude des Preisgewinners. Er wurde damit im Rahmen des STG Award als Erster zum zweiten Mal in Folge geehrt. 2012 wurde ihm der Fairness-Preis verliehen. 
 
Worin bestehen Buhls Leistungen in 2012?

ISAF Sailing Worldcup Hyeres

Die Erfolgsserie der Saison begann auf dem klassischen Revier vor Hyeres. Buhl gewinnt die Weltcup-Regatta bei sehr viel Wind und hohen Wellen. Über die einzelnen Wettfahrten segelte er konstant in der Spitzengruppe und schlägt auch den amtierenden und mehrfachen Weltmeister und späteren Olympiasieger Tom Slingsby (Australien). Im Medalrcae erobert Kämpfer Buhl in einem dramatischen und kämpferischem Finale schließlich Gold. Und wieder einmal war es auf dem Traditionsrevier an der Cote d’ Azur, dass Buhl etwas Besonderes und für ihn Geschichtsträchtiges erreicht, nämlich den ersten Sieg bei einem Weltcup-Event. In früheren Jahren gelang ihm dort als Junior sein erster Europacup-Sieg, erster Junioren-EM-Titel und erstes Medalrace-Ticket.    
  

WM: Sehr gut aber mit anfänglichen Haken

Auch wenn es bei der Heim-WM auf der Ostsee in Boltenhagen für den Segler vom Alpsee teils etwas hakte, segelte er eine faszinierend gute Finalserie. Insgesamt drei Wettfahrtsiege, davon zwei im Goldfleet und einmal der Dominator des Tages, schaffte dort keiner. Buhl bewies erneut, dass er auch bei Mittelwind sehr schnell ist und trotz seines elften Ranges und eines knapp verpassten Medalraces ein Medaillenanwärter war. 
 

Bronze in Weymouth unterstrich die Olympiawürdigkeit

Der Erfolgsschwung hielt weiter an. Im Juni, bei der letzten Weltcup-Regatta auf dem Olympiarevier vor Weymouth / Portland, dort wo Buhl wegen der verpassten Qualifikation zu den Olympische Spielen im August nicht antreten durfte, wollte er wohl voll entschlossen alles in die Waagschale legen. In Gegenwart der geballten Konkurrenz aus qualifizierten Olympiastartern und Sparringspartner aller Nationen gewinnt Buhl unter extremen Wind-, Wellen-, Strömungs- und Wetterbedingungen die Bronzemedaille. Er war der einzige Deutsche aller Olympia-Klassen, der mit Edelmetall heimkehrte. Wenn das nicht ein klares Zeichen seiner Olympia-Würdigkeit war!
Dieses Resultat bestätige nur die Richtigkeit meines Trostspruches bei der ISAF-WM in Perth 2011, als draußen auf dem Meer die letzten Hoffungen für einen Olympia-Qualifizierungssieg über seinen Kontrahenten Simon Grotelüschen endgültig versanken. Hier spürten wir beide, wie sich eine weitreichende Niederlage anfühlt. Ich höre noch genau, was ich ihm in den Minuten nach Verdunklung des letzten Hoffnungsschimmers sagte: „Philipp, sei nicht zu sehr traurig. Es muss wohl so sein.“ Niemand hat alle Hebel im Griff. Und unsere Überzeugung, dass alles Negative auch ein Pendant birgt, sollte sich im Folgejahr zeigen.    
  

Revanche und Gold in Kiel

Nach Weymouth trumpfte Buhl zwei Wochen später in heimischem Terrain auf, beim Kieler Sailing Worldcup. In ihm kribbelte sicherlich noch das Bedürfnis einer Revanche zum Grotelüschen-Buhl-Duell von 2011, als ihm sein Trainingspartner und Qlympia-Rivale Simon Grotelüschen den Kieler Woche-Sieg um eine Bootslänge vor der Medalrace-Ziellinie wegschnappte. In Kiel war also noch eine Rechnung offen.

Und es gelang dem Fokusierten, was er im Fadenkreuz anvisierte. Buhl gewinnt die Kieler Woche 2012 und als schöne Beigabe den historischen Roosevelt-Pokal, weil er den Sieg im Vergleich zu den Gewinnern in den anderen Bootsklassen mit den wenigsten Punkten (nur elf) schaffte. Unvergessen ist das spannende Medalrace, das Buhl einfach genial segelte. Höchste Spannung und Dramatik begleitete seine Fahrt. Schritt für Schritt kämpft er sich nach vorne, übertrumpft seinen Hauptgegner Grotelüschen etwa auf halbem Kurs und schnappt sich etwa 100 m vor dem Ziel auch noch den den auf dem letzten Vorwindkurs bis dahin Führenden. Mit diesem Finalsieg baute Buhl seine Spitzenposition zu einem souveränen Punktevorsprung aus und komplettierte mit Gold sein Kieler Medaillenset.   Höhepunkt EM Der bedeutendste Erfolg der Saison sollte sich jedoch mit der EM in Hourtin (Frankreich) anbahnen. Der meist leichte Wind auf dem Lac de Hourtin et de Carcans war an Launigkeit und Kompliziertheit kaum zu übertreffen. Manche mögen wegen des leichten Windes vermutet haben, nicht Buhls Bedingungen. Man mag dies sehen wie man will, aber schnell Richtung Ziel segeln hängt jedenfalls bei weitem nicht nur am Windstärke-Kriterium. Buhl bewies – und dies nicht zum ersten Mal - , dass er ein Wind-Allrounder und strategischer Könner ist und mit dieser Ausstattung auch bei Leichtwind gefürchtet schnell unterwegs ist. Er erlitt nur wenige Ausrutscher (was dort überhaupt niemand vermeiden konnte), segelte aber durchwegs in einem der Farbtrikots der Führenden. Zum Schluss demonstrierte Buhl stählerne Nerven und konnte seine Führung so souverän zementieren, dass er bei der letzten Wettfahrt nicht mehr an den Start musste.

Der erste deutsche Europameister im olympischen Laser hieß fortan Philipp Buhl. Nach seinem zweifachen Junioren-EM-Titel und einem EM-Vize in früheren Jahren nun also auch der vollwertige europäische Champion der Männer.  
 

Top-Position im Worldranking

Diese faszinierenden Leistungen im Verlaufe der Saison 2012 katapultierte die Laser-Asse aus dem Allgäu auch in der Weltrangliste weit nach vorne wie nie zuvor. Gleich hinter dem Führenden Australier Tom Burton leuchtet in der ISAF-Liste an Pos. 2 Philipp Buhl GER auf. Dies ist aus deutscher Sicht ein äußerst ungewöhnliches Bild. Herzliche Gratulation an den Athleten auch von dieser Stelle!

   

Und noch etwas zählte zu Buhls außergewöhnlichen Leistungen

Der Grundstein für die hochkarätigen Ergebnisse 2012 wurde bereits im Dezember 2011 gesetzt. Als in Perth die Niederlage um das Olympiaticket besiegelt war, setzten wir uns umgehend noch in Australien zusammen und steckten in aller emotionalen Frische grob das Konzept für die Zukunft 2012 ab.

Nicht hängen lassen oder gar mit dem Leistungssport aufhören oder es jetzt in einer andere Klasse versuchen oder … (usw.) …, lautete die Devise, sondern jetzt erst recht mit Vollgas und Zielgerichtetheit weiter. Und eine Niederlage nicht abhaken, sondern sie richtig und nachhaltig und somit nutzbringend verarbeiten. Das ist es, was Buhl mustergültig vorgemacht hat und was ein Athlet erst fertig bringen muss. Hier sind natürlich auch die Berater mit ihrer externen Sicht gefragt.

Wir waren uns schon früher im klaren, dass Olympia nicht das allein Wichtige ist und sein darf, dass es auch in der Zwischenzeit viel Sonne scheinen kann. Olympia ist sicher schön aber ebenso auch ein medial und kommerziell bedenklich hochgetrimmtes Event, bei dem leider nur noch Edelmetall oder gar nur das edelsten unter ihnen zählt. Die dafür ursächliche Schlagzeilensucht vieler Medien lässt leider keine Besserung erwarten. Höchst fragwürdig ist indes, dass viele Sportfachleute um die Athleten sich unkritisch gegenüber den negativen Auswirkungen davon anstecken lassen. Sie sollten sich dann über enttäuschende Erfolge nicht wundern, wenn sie vorher immer wieder zum Druckaufbau beitragen. Buhl hat eindrucksvoll vorgeführt, wie man sich trotz einer herben Enttäuschung schnell wieder motiviert und fokusiert. Er hat ebenso gezeigt, dass man auch ohne Olympia sehr zufrieden, ja sogar sportlich glücklich werden kann. Dies ist ein Prädikat, das die Lorbeeren, „Sportler des Jahres“, deutlich unterstreicht.

 

Links zu Presseberichten

Augsburger Allgemeine




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