Olympische Spiele 2024, Paris - Marseille

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Hoffnungen auf Philipps Zielsetzungen nicht erfüllt
Unglücklicher Verlauf pulverisiert Traum von Medaille
 

(Marseille / Südfrankreich, 01./06.08.2024 -- Text: Friedl Buhl, Bilder ©: (siehe Bildangaben))

„Toutes les bonnes choses viennent par trois.“ Auf diesem Spruch beruhten dieser Tage in der französischen Olympiastadt Marseille all seine Hoffnungen: Wenn zwei Anläufe fehllaufen, wird es beim dritten passen. Gemäß „Aller guten Dinge sind drei!“ Doch Philipps konnte seine bereits langjährige Hoffnungen auf olympisches Edelmetall bei  Olympia in Rio und Tokyo erneut nicht erfüllen, musste sie nun in der Bucht von Marseille traurig begraben. Welch bittere Erfahrung und sicherlich auch nachhaltige mentale Bürde für den steil aufwärts strebenden Segelsport-Erfolgsdauerbrenner seit seiner Jugendzeit.

Philipp – ja, sei traurig. Das passt dazu; ist verständlich? Besonders auch wegen der beraubten Chance, wenigstens für’s Medalrace-Ticket (also Top Ten, sein Minimalziel) sich nochmals mit allem reinhängen zu können.  Der nur leichte Wind hat am letzten Wettfahrtag einen Strich vor allen auch durch Philipps Rechnung gezogen. Die noch geplanten Rennen 9 und 10 wurde abgesagt. Philipp blieb auf dem 13. Rang und daher für’s noch ausstehende Medalrace schmerzlicher Weise außen vor.

Das hat der Oberallgäuer tatsächlich so nicht verdient und wird auch seinem Leistungsniveau nicht gerecht. Es ereignete sich nämlich am Vortag der stornierten Wettfahrten noch ein weiteres ihn schwer belastendes – man könnte sagen, dramatisches – Ereignis. Dazu mehr weiter unten. 
 
Vorweg ein würdigender Blick zurück
Blickt man neben den letzten unglücklichen Tagen auf die olympische Vorgeschichte zurück, wiegt doch trotzdem sehr viel positiv. Die Verfehlung des olympischen Podestes ist somit sicherlich nicht als umfassende Niederlage zu werten. Sondern, dass eben das Happy End leider nicht mitspielen wollte. Wenngleich es Philipp so wohl nicht empfinden mag. Eine große Enttäuschung ist es für ihn natürlich. Und dies auch verständlich. Auch deshalb, weil er nicht zum ersten Mal olympisches Edelmetall – und dies durchaus realistisch – als Ziel gesetzt wurde.

Zu betrachten ist doch auch die Vorgeschichte im Rahmen dieser Olympiade: Schon die Teilnahme war mit sehr guten und erinnerungswürdigen sportlichen Leistungen verknüpft: Nämlich das Überwinden der hohen internationalen und noch höheren deutschen Olympia-Qualifikationshürden. Und dann auch noch der Beste unter den Bewerbern im eigenen Land zu sein. Philipp, dreimal schon hast Du diese außerordentlichen Klimmzüge souverän geschafft. Und zudem in den Anfängen deiner olympischen Träume für 2012 nur knapp verfehlt. Dies war nur mit zahlreichen hart erkämpften großen Erfolgen auf hochkarätigen internationalen Levels möglich. Und zunächst jeweils außerhalb der olympischen Regatta einhergehend mit unvergesslichen Freuden und Glücksmomenten. Darauf darfst Du wirklich stolz auf Dich sein. Wir sind es jedenfalls. Und lass dies wenigstens als gewisse Linderung für die nun eben nicht erzielte Olympiamedaille auf dich wirken.

Die olympischen Spiele sind ohnehin stark überbewertet. Insbesondere in den Medien. Die würden sehr gut daran tun, während der sonstigen Zeiten sich mehr um das breite Spektrum der tollen Sportarten zu kümmern, anstatt den Fokus derart einseitig und überzogen auf insbesondere Fußball auszurichten.
 
Zurück zum Olympia-Geschehen
Selten zuvor musste Philipp mit einem größeren Wechselbad der Gefühle umgehen: Zu viele und größere Punktlasten, eine BFD-Disqualifikation, dann aber postwendend ein Schub der Freude mit Genugtuung und frischer Zuversicht. Und zu allem Überfluss noch die Absage von zwei so dringend benötigten Rennen am letzten Fleetrace-Tag.
Bereits über die erste Halbzeit lief es Philipp nicht optimal. Mehrfach schlichen sich Fehler ein, eigentlich eher nur Fehlerchen und nur vereinzelt. Dennoch passiert es meist ganz schnell:  Kleine Fehler - große Auswirkung! Teils ereignete sie sich in der Startphase. Und dann wird es kumulativ schwierig und problematisch. Zum Beginn in die zweite Halbzeit steht der 14. Rang.
Nicht berauschend, jedoch war noch nichts wirklich verspielt.
 
Die verflixte zweite Halbzeit
Dann die Wettfahrten 7 und 8. Für Philipp  ein Tag, der in seinem Ab und Auf seinesgleichen sucht. Das 7. Race bescherte ihm das entscheidend erdrückende Ereignis. Dabei ist er gar nicht gestartet. Genauer gesagt, er durfte wegen vorangegangenem Frühstart bei verschärfter Startregeln (Schwarze Flagge) nicht.
Philipp ließ später durchsickern: „Ich bin vielleicht eine halbe bis eine Sekunde (entsprechend ca. 3 bis 5 m) zu früh los. Aber die meisten anderen ebenso und teils noch weiter über der Startlinie.“ Wer da nicht wenigstens dezent mitzieht, hat bezüglich einer guten Platzierung von vorne herein das Nachsehen.
 
Zusammen mit ca. acht anderen Booten wird Philipp mit BFD bestraft. Jedoch 20 weitere und großteils sogar deutlichere Frühstarter kamen unbestraft davon. Dies belegt die PDF-Aufnahme zum Startzeitpunkt (siehe rechts). Wie ist das trotz Videoaufzeichnung des Startgeschehens seitens der Wettfahrtleitung möglich? Nur so: Sie wollte schlicht nicht alle sehen. Das wäre nämlich eher ein Desaster für sie gewesen. So kann man die erfassten Frühstarter als Bauernopfer auffassen.
BFD Situation 7.WFDas Race Committee (RC, Wettfahrtleitung) ordnete zwar einen Generalrückruf und Neustart an (natürlich jetzt ohne die mit Disqualifikation Abgestraften), was allerdings an der Ungerechtigkeit kaum etwas änderte. Erst jetzt, mit diesem BFD-Schuss vor den Bug bzw. in den Bug einer gewissen Sünderauswahl kam der nötige Startrespekt zustande. Den hätte sich das RC wohl besser bereits in vorangegangenen Wettfahrten effektiver verschaffen sollen.
Bei derart klar sich abzeichnendem Massenfrühstart unter Schwarzer Flagge hätte es seitens des RC auch das gebotene und vor allem viel gerechtere Mittel der rechtzeitigen Startverschiebung gegeben (Flagge AP). Diese Maßnahme im Sinne der Gerechtigkeit wurde leider versäumt.

Doch nach dieser 7. Wettfahrt zum Zuschauer verurteilt war Philipp anscheinend wieder emotional und mental neu justiert und zu einem entschlossenen Angriff in der nachfolgenden 8. Wettfahrt bereit. Der mit + 44 Punkten Bestrafte sorgt bei sich und seinen Fans für Genugtuung und Auftrumpfen, wie es eindrucksvoller nicht hätte stattfinden können.

Philipp startet einwandfrei. Bald bestätigt sich auf der linken Seite sein strategischer Plan. Er segelt zusammen mit Jonatan Vadnai (Ungarn) klar in die Führung.  Neben dem Topstart und hohem Speed hat auch eine allmähliche Wind-Linksdrehung und evtl. auch der etwas stärkerer Wind mitgeholfen: Usual part of the game! Auf ca. Dreiviertel der Startkreuzstrecke signalisierte das RC den Abbruch dieser Wettfahrt - wohl aufgrund von zu viel Vorteil auf der linken Seite. Dem Australischen Wettfahrtleiter waren möglicherweise die aus seiner Sicht richtigen Segler zu weit abgeschlagen.
Schade für die arg und teils erneut negativ Betroffenen. Doch Philipps frisch aufgetankter Performance konnte auch diese für ihn herbe RC-Entscheidung nicht das Geringste anhaben.

Das Race wird neu gestartet. Zusammen mit seinem norwegischen Freund und internationalem Trainingspartner Hermann Tomasgaard segelt Philipp in der oberen Startkreuzhälfte erneut in die Führungsposition. An der ersten LUV-Marke rundet er knapp vor dem Norweger. Beide bestreiten den anschließenden Vorwindkurs ähnlich schnell. Am LEE-Gate bleibt Philipp vorne.  Doch ab jetzt, in der zweiten Race-Hälfte setzt sich Philipp auch von Tomasgaard weiter ab und führt bei segeltechnisch und physisch anspruchsvollen Bedingungen (Windstärke 12 bis 15 Knoten) einen fulminanten Wettfahrtsieg vor. Im Ziel verzeichnet er den souveränen Vorsprung von 35 Sekunden, entsprechend ca. knapp 200 m zum Zweitplatzierten Tomasgaard: Bravo und Chapeau, Philipp!

Doch trotz dieses Highlights fehlten Philipp noch 8 Punkte bzw. 3 Plätze bis zu den besten Zehn  der Zwischenbilanz. Philipps Hoffnungen, wenigstens noch sein Minimalziel, die Medalrace-Qualifikation, zu erreichen, gründeten jetzt auf dem nächsten und letzten Fleetrace-Tag.
 
5. Tag: Hoffen und bangen um mehr Wind …
… für die noch ausstehenden Opening-Races 9 und 10. Windprognosen ließen schon am Vortag eventuell problematische Bedingungen erahnen. Denn den mittelmäßigen Großraumwind hemmte ein lokal konkurrierendes Thermik-Windsystem. Unter heiß vom Himmel strahlender Sonne warteten die Segler draußen auf der Kurs-Area stundenlang auf wenigstens etwas stärkeren Wind als die nur ca. 4 bis 6 Knoten (entsprechend 2 Beaufort bzw. „Leichte Brise“). Gemäß einem groben Richtwert für einen Wettfahrtstart sollten mindestens 4 Knoten über den gesamten Kurs gegeben sein. Das RC hatte zunächst zurecht noch beobachtend abgewartet.

Wer weiß, wie Windsysteme ticken, konnte ab dem Landerwärmung-Zenit gegen 15 Uhr zuversichtlich einen Windzuwachs erwarten. Exakt so kam es gegen ca. 15:30 Uhr. Der weiträumige Gradientwind setzte sich mehr durch und legte auf 6 bis 8 Knoten (2-3 Beaufort) zu. Und zwar dauerhaft sowie an allen drei bis vier Windmessstellen über dem Kurs-Areal. Einem baldigen Start stand eigentlich nichts mehr im Wege. Außer die Sicht des RC oder eher trefflicher gesagt, ihrem fehlenden Wollen. Stattdessen unverständliches weiteres Warten auf dem Wasser. So wurden rund zwei Stunden vertrödelt, anstatt zumindest einen Wettfahrtversuch vorzunehmen. Im Rückblick betrachtet hätte es für eine Wettfahrt problemlos gereicht.

Schlussendlich wurden die geplanten Wettfahrten gemäß Reglement aufgrund bereits sechs gewerteter Races nicht auf den Reservetag verschoben, sondern abgesagt. Philipp und noch etwa 15 weitere Athleten wurde dadurch die potentielle Chance genommen, ein Top-Ten-Gesamtergebnis und damit eine Teilnahme am Finale zu erzielen.
Schließlich blieb Philipp schmerzlich enttäuscht auf dem für ihn völlig unbefriedigenden und höchst enttäuschenden 13. Platz sitzen.
Enttäuscht einerseits über seine anfangs eigene Fehler. Aber wohl auch schwer enttäuscht über die teils fragwürdigen Abläufe und Entscheidungen seitens des RC, dessen Unparteilichkeit und Fairness gegenüber allen Seglern ganz offensichtlich zu wünschen übrig ließ.

Absage des 9. und 10. O-Race am 5. Tag

7. Tag: Medal-Race

Endergebnisse nach 8 O-Races und 1 M-Race bzw. 7. Tag

 

Ergebnis-Übersicht ...
- nach 2 Races bzw. 1. Tag  (2 Openuing-WF)
- nach 4 Races bzw. 2. Tag  (4 Opening-WF)
- nach 6 Races bzw. 3. Tag  (6 Opening-WF)
- nach 8 Races bzw. 4. Tag  (8 Opening-WF)
- (5. Tag: Opening-Wettfahrten 9 und 10 storniert)
- (6. Tag: Kein Medalrace. Verschiebung auf 1. Reservetag
- nach 9 Races bzw. 7. Tag  (8 Opening-WF + 1 Medalrace)
 
Links:
Zum Tracking des 8. Openning-Rennens (Nur temporär verfügbar)
 
 
Sehr empfehlenswert !
Leider nur bis 11.08.24,
18:55 Uhr verfügbar.
 
 
 

 

 

 

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